Eckhard Forst kam mit dem Fahrrad zu seiner ersten Vorstandssitzung. Beim anschließenden Sommerfest verriet er ins Mikrofon, dass er „Tour de France“-Fan sei, beim Einzelzeitfahren in Nizza bereits live an der Strecke gestanden habe und auch selbst keine Bergauffahrten scheue (mit einem Augenzwinkern: „auch wenn ich langsamer geworden bin“). Das Bild war gesetzt.
Dass das Sommerfest der Sportstiftung NRW und der internationale Olympic Day in diesem Jahr auf denselben Tag fielen, passte perfekt zum Motto des Aktionstags „Let’s move“. Moderatorin Anke Feller griff die Steilvorlage auf: „Bewegt hat sich zuletzt einiges bei der Sportstiftung NRW“ – und leitete damit das offizielle Meet & Greet des neu formierten Vorstands ein.

Seit dem 5. Mai im Amt, präsentierten sich Vorstandsvorsitzender Eckhard Forst sowie Markus Rehm und Sascha Hendrich-Bächer den rund 120 Gästen im Garten von Gut Gnadental in Neuss. Athletinnen und Athleten, Förderpartner, Vertreter von Verbänden, Olympiastützpunkten, Trainerinnen und Trainer sowie zahlreiche Sportfunktionäre lauschten aufmerksam, applaudierten und kamen bei hochsommerlichen Temperaturen miteinander ins Gespräch.
Unter den Gästen waren unter anderem der neue Vorstandsvorsitzende des TSV Bayer 04 Leverkusen, Jürgen Schrapp, sowie die neu in das Stiftungskuratorium berufene Tischtennis-Junioren-Bundestrainerin Lara Broich. Für einen besonderen sportlichen Akzent sorgte Para-Athlet Mio Wagner, der Anfang Juni überraschend zwei deutsche U19-Meistertitel im Regelsport gewonnen hatte.

Die neuen Vorstandsmitglieder nutzten die Gelegenheit, sich persönlich vorzustellen: Sascha Hendrich-Bächer, heute Leiter der Sportschule Hennef, war dem Sport zuvor viele Jahre ehrenamtlich verbunden – unter anderem als Fußball-Schiedsrichter und Schatzmeister. „Ich habe jetzt täglich vor Augen, was Spitzensportlerinnen und Spitzensportler leisten“, sagte der 45-Jährige.
Markus Rehm durfte sich angesprochen fühlen. Fünf Paralympics-Siege stehen in der Vita des Leverkusener Leichtathleten, der sich nach einer Verletzung des Syndesmosenbandes derzeit im Aufbautraining befindet. Die Verletzung habe er sich durch einen unglücklichen Sturz auf einer Eisplatte zugezogen, erklärte der 37-jährige Orthopädietechniker. „Ich fühle mich geehrt, jetzt im Vorstand der Sportstfitung NRW mitzuwirken.“ Sein Beruf sei mittlerweile zum Hobby geworden neben dem Leistungssport, scherzte er. Seine Mentorin und langjährige Trainerin Steffi Nerius haben ihm gezeigt, wie wichtig es ist, Verantwortung für die nächste Generation zu übernehmen. Beide sind nun Mitglied im Stiftungsvorstand.
Der vierte im Bunde, ARAG-Vorstand Christian Vogée, konnte aus privaten Gründen nicht beim Fest dabei sein.
Geschäftsführer Lucas Flümann rundete den offiziellen Teil ab und betonte in seinem Ausblick die zentrale Zielsetzung der Stiftung: „Unabhängig davon, ob Olympische und Paralympische Spiele im NRW stattfinden – wir möchten als Sportland NRW die beste Nachwuchsförderung in Deutschland anbieten und junge Athler*innen für das Abenteuer Leistungssport begeistern.“

Das traditionelle Grillbuffet sorgte für entspannte Atmosphäre. Beim Tauziehen, Leitergolf, Dosen- und Körbewerfen konnten jeder, der mochte, das Olympic-Day-Motto sportlich direkt umsetzen. Das Sommerfest fand bereits zum siebten Mal auf der Hofanlage Gut Gnadental der Unternehmerfamilie Zülow statt.
Sebastian Burg
Categories: News Schlagwörter: Anke Feller, Eckhard Forst, Gut Gnadental, Markus Rehm, Neuss, Olympiatag, Olympic Day, Sascha Hendrich-Bächer, Sommerfest
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Schnelle Sonne
Wenn sich gehörlose Athletinnen blind verstehen, wird aus Harmonie Erfolg. Am vorletzten Wettkampftag der Deaflympics sprinten die deutschen Leichtathletinnen in den Staffeln zu Gold und Silber. Delia ist mittendrin. Auf dem Zuschauerrang kommen Mama die Tränen. Alle Eltern sind nach Tokio mitgereist. Auf dem Tartan liegen sich die Töchter in den Armen. „Mein schönster Moment“, sagt Delia. „Die 4×100-Meter-Staffel war das absolute Highlight.“
Es folgt eine Überraschung in der 4×400- Meter Staffel. Mit Silber hat das NRW-Quartett um Jelisa Gräf, Fiona Proba, Tessa Lange und Delia nicht gerechnet. Die fünfte Athletin in diesem Bunde, Sheila Schlechter aus Bünde, war knapp eine Stunde zuvor mit Delia in der siegreichen 4×100-Meter-Staffel gestartet, bevor es ins 4×400-Meter-Finale ging.
„Ich hatte großes Vertrauen in uns“, sagt Delia. „In der Staffel konnte ich abrufen, was ich kann.“ Die Tage zuvor glichen einer „emotionalen Achterbahnfahrt“. Im Vorlauf gelang die Stabübergabe zwischen Tessa und Delia gerade noch innerhalb der Wechselzone. Mit ihren beiden sechsten Plätzen in den Einzelstarts hadert sie zwar, doch vor dem Teamwettbewerb ist alles abgehakt.

Sommerspiele im November
Bei den Deaflympics starten mehr Leichtathleten als bei Weltmeisterschaften. Delia absolviert neun Rennen in nur einer Woche. Dabei beginnen ihre Tage früh und enden früh in winterlicher Dunkelheit. Denn der Transfer zum Teamhotel dauert gut eine Stunde und die Sonne geht in Tokio im November bereits am Nachmittag unter. Flutlicht gibt es im Wettkampfstadion nicht.
Die Wettbewerbe anderer Sportarten verfolgt sie über eine Leinwand, die das um sichtige Organisationsteam kurzerhand im Hotel aufgebaut hat. Der Gastgeber war auf die Ankunft gehörloser Athleten vorbereitet. „Wir mussten uns nie erklären“, schildert Delia. „Es war ein Wohlfühlsetting für Gehörlose. Die Menschen hatten Freude daran, uns zuzuschauen, und zollten uns echte Anerkennung. “
Tokio waren ihre dritten Deaflympics. Einen Tag vor der Eröffnungsfeier erfuhr die Kölnerin vom Deutschen Gehörlosen-Sportverband, dass sie gemeinsam mit Schwimmer Lars Kochmann als Fahnenträgerin einmarschieren würde. „Ich war nicht aufgeregt. Mit der Mannschaft im Rücken habe ich mich einfach gefreut“, erzählt die 26-jährige Studentin. „Mit den Deaflympics verbinde ich vor allem Gemeinschaft, nicht nur das sportliche Event.“
NRW in Tokio
Die Deaflympics gelten als das weltweit bedeutendste Sportereignis für gehörlose Athletinnen und Athleten. Bei der 25. Ausgabe in Tokio waren etwa 3.000 Wettkämpfer aus 79 Nationen am Start. Aus Nordrhein-Westfalen waren 13 Athletinnen und Athleten nominiert. Sie waren an 10 der insgesamt 24 Medaillen der 67-köpfigen deutschen Mannschaft (6x Gold, 8x Silber, 10x Bronze) beteiligt. Dies ist die beste deutsche Bilanz seit 20 Jahren. Die ersten Spiele für Menschen mit Hörbeeinträchtigung fanden 1924 statt.

Delia Gaeda
geb. 1999, aus Köln. Sie startet für den Düsseldorfer SV 04 und das LT DSHS Köln und studiert B.Sc. Sport & Leistung an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Erfolge 2025:
1. Platz Deaflympics
mit der 4×100-m-Staffel und
2. Platz über 100 m und 200 m
6. Platz mit der 4×400-m-Staffel
Erfolge 2024:
3. Platz WM über 200 m sowie
2. Platz mit der 4×100-m-Staffel
Jule Schomburg
Categories: News Schlagwörter: deaflympics, Delia Gaede, Leichtathletik, Sportland NRW, Sprintstaffel
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