5981 Sport – das Allergrößte

Seit Anfang 2021 kooperiert DSW21 mit der Sportstiftung NRW und unterstützt sieben junge Athletinnen und Athleten mit einem Deutschlandstipendium: Die Ruderer Sophie Oksche, Pia Greiten, John Heithoff und Leon Schandl sowie die Leichtathleten Verena Meisl, Nils Voigt und Lasse Funck. Mit ihnen sind zwei sehenswerte Filme entstanden.

„Das Stipendium ist eine große Wertschätzung für den Aufwand, den wir für unseren Sport betreiben“, sagt Ruderer Leon Schandl. Studium und Training müssen in 24 Stunden untergebracht werden. „Daneben bleibt nicht viel Zeit, um arbeiten zu gehen wie andere Studenten“, erklärt Sophie Oksche.

„Ich mache Leistungssport, weil ich jeden Tag besser werden und meine Grenzen ausloten will. Wir sind hier, um etwas zu bewegen.“ Hier, das ist für die vier Ruderer der Leistungsstützpunkt in Dortmund, wo auch der Deutschland-Achter trainiert. „Die Atmosphäre ist für ich noch immer super besonders“, sagt Pia Greiten und John Heithoff ergänzt: „Meine Mannschaft ist wie eine kleine zusätzliche Familie.“

Be fast- Teil 1

In diesem Video werden Pia Greiten, Sophie Oksche, John Heithoff und Leon Schandl vorgestellt. Was sie verbindet: ihr Sportgerät. Alle vier gehören zu den besten Ruderern Deutschlands.

Be fast- Teil 1

Warum engagiert sich DSW21 für Athlet*innen?

Die Zusammenarbeit mit den Sportler*innen birgt Win-Win-Potenzial, sagt Harald Kraus, Arbeitsdirektor bei DSW21: „Zum einen werden wir damit der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht, die wir als kommunales Unternehmen ganz besonders haben. Aber wir betreiben auch Eigenmarketing und knüpfen Kontakte zu jungen Menschen, die möglicherweise unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zukunft sind. In der Unternehmensgruppe 21 haben wir für Platz und Aufgaben für motivierte junge Menschen mit den unterschiedlichsten Qualifikationen. Vielen ist die Bandbreite gar nicht bewusst.“

Be fast- Teil 2

In diesem Video heißen die Protagonisten Verena Meisl, Nils Voigt und Lasse Funck. Auch die Langstreckenläufer aus Bochum und Dortmund sind herausragende junge Talente.

Be fast- Teil 2
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Categories: News Schlagwörter: , , , , , , | Comments 5847 Auf Tokio und 20 Jahre!

Am 21. September, dem vorletzten Tag des kalendarischen Sommers 2021 hat die Sportstiftung NRW auf Gut Gnadental in Neuss eingeladen. Vorstandsvorsitzender Dr. Ingo Wolf und Geschäftsführer Maximilian Hartung empfingen rund 100 Gäste aus dem Sportland NRW. Bei spätsommerlich-sonnigem Wetter wurde gemeinsam auf die Teilnehmer*innen der Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio sowie auf das 20-Jahre-Jubiläum der Sportstiftung angestoßen.

Nach über 2 Jahren Coronabedingter Pause konnte das Sommerfest wieder stattfinden – zum dritten Mal auf der historischen Hofanlage der Unternehmerfamilie Zülow. Alle Teilnehmer waren geimpft, genesen oder getestet. Der Abend mit Köstlichkeiten vom Grillbuffet klang stimmungsvoll mit Musik der Marching-Band „Super Jazz“ aus.

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Categories: News Schlagwörter: , , , , , , , , | Comments 5835 Was macht eigentlich Irmgard?

Para Leichtathletin Irmgard,
Wirtschaftsprüfungsassistentin bei KPMG Düsseldorf

Null Komma eins. Bei der Para Leichtathletik-WM 2019 reichte Irmgard weniger als ein Wimpernschlag, nämlich eine Zehntel­sekunde Vorsprung, zu Gold über die 100 Meter. In ungleich gigantischeren Dimensionen denkt die Sportlerin, wenn sie an ihrem Schreibtisch sitzt. „Seit drei Jahren arbeite ich an meinem Vorsprung“, erklärt sie. Niemand stoppt diese Zeit. Doch Irmgard weiß insgeheim, dass sie das Ziel bereits erreicht hat.

Mit dem Zeithaben ist das bei Irmgard so eine Sache. Die 30-Jährige hat eine halbe Stelle als Wirtschaftsprüfungsassistentin in der KPMG-Niederlassung Düsseldorf. Den restlichen Tag ist sie Athletin. Das erste Training ist um 8.30 Uhr. KPMG bietet flexible Arbeitszeitmodelle für Leistungssportler*innen.

„Ich hasse es, still zu sitzen“, lacht Irmgard. Ihr Motto: „Je weniger Zeit man hat, desto mehr schafft man. Wenn ich nur eine Stunde für das Training oder einen Auftrag habe, verliere ich keine Zeit mit Quatschen.“ Sie lebt ganz im Moment, im Jetzt. „Effektivität ist doch eigentlich eine sehr deutsche Eigenschaft“, wundert sich die gebürtige Südafrikanerin. „Meine Mutter hat fünf Kinder großgezogen und war Geschäftsführerin. Meiner ganzen Familie fällt es schwer, mal nichts zu tun.“

Als Irmgard 18 Jahre alt war, stürzte sie beim Training über eine Hürde. Dabei durchtrennten sich die Nerven des rechten Fußes. Weil eine Zertifizierung für den Behindertensport in Kapstadt scheiterte, fand sie 2014 auch dank ihrer deutschen Mutter den Weg ins Parasport-Zentrum des TSV Bayer 04 Leverkusen. In Rio lief sie für Deutschland dreimal zu Silber (100, 200 und 400 Meter), in Tokio 2021 kamen zwei weitere Zweite Plätze dazu.

Vorsprung durch Erfahrung

In der Disziplin Zwillingskarriere trat sie 2018 an. Mit Unterstützung der Sportstiftung NRW konnte sich Irmgard bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vorstellen. „Durch die Beratung der Sportstiftung ist viel mehr herausgekommen, als ich mir erhofft hatte“, sagt sie. Von Teilzeitstellen und einer Sportkarriere neben dem Beruf hatte sie nie gehört. „Ich habe einen Traumjob und kann weiter laufen. Ich kann mich nicht genug dafür bedanken.“

Um den Abschluss als Wirtschaftsprüferin zu erlangen, sammelt Irmgard bei KPMG die erforderlich Praxiserfahrung. Ihr wurden Mandanten am Trainingsort Leverkusen und Umgebung zugeteilt. Sie prüft Konzern- und Jahresabschlüsse. „Man lernt mit Büchern, aber das Leben draußen ist anders, hat sie erkannt. Ich arbeite international und lerne sehr viele große Unternehmen kennen. Das ist enorm wertvoll.“ Die Erfahrung ist Irmgards Vorsprung vor anderen Berufseinsteigern.

Nach den Paralympics in Tokio möchte die Para Sprinterin ihre Arbeitszeit auf 30 Wochenstunden aufstocken, in der direkten Vorbereitung auf Paris 2024 dann wieder reduzieren. Sie plant außerdem, zwei Jahre für KPMG in Südafrika zu arbeiten, um dort ihr Wirtschaftsprüfer-Examen abzulegen. Arbeitsjahre in Deutschland werden dafür nicht angerechnet. „KPMG kommt mir bei allen entgegen.“ Eins Komma null.

„Das Leben draußen ist anders als in Büchern.“

Irmgard Bensusan, Para Sprinterin

Categories: Story Schlagwörter: , , , , , | Comments 5825 Was macht eigentlich Yanna?

Taekwondo-Kämpferin Yanna,
Werkstudentin bei der Kreissparkasse Köln

Schwedische Architekten sind nicht dafür bekannt, dass sie zu niedrige oder instabile Gebäude bauen. Tatsache war jedoch, dass Yanna Schneider in ihrem Hotelzimmer die Decke auf den Kopf fiel. Es musste damit zusammenhängen, dass sie seit geraumer Zeit Löcher hineingestarrt hatte.

„Eigentlich war ich happy, wie positiv es nach meinem Handbruch schon wieder lief“, erzählt Yanna. „Ich war gerade deutsche Meisterin geworden und mit dem Bachelorstudium fertig.“ Das Turnier in Schweden im Februar 2020 war das erste im vermeintlichen Olympiajahr. Ihr standen entscheidende Monate in der Sportblase bevor. Aber ihre Gedanken zogen viel weitere Kreise.

Die Bonnerin trainiert fast täglich morgens und abends. Dafür pendelt sie zum Taekwondo-Leistungsstützpunkt nach Swisttal. Ohne das Studium zog sich der restliche Tag wie Kaugummi.

Ich wurde neidisch auf Leute, die arbeiten gehen und Termine haben“, erzählt Yanna. „Manchmal hätte es mir einfach gutgetan, mich mit anderen Dingen anstatt nur mit dem Training beschäftigen zu können.“

Nach der Rückkehr aus Schweden folgte Yanna dem Rat von Laufbahnberaterin Annika Reese am Olympiastützpunkt NRW/Rheinland und bewarb sich für den Masterstudiengang in Wirtschaftspsychologie. Die Zusage der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg traf zeitgleich mit dem ersten Lockdown im März ein. Yanna ahnte nicht, dass sie in diesem Jahr keinen einzigen Wettkampf mehr bestreiten sollte. Corona machte die Sportlerin zu einer normalen Vollzeitstudentin. Ihre Noten kletterten Richtung Einser-Schnitt. Doch im Sommer wurde die vorlesungsfreie Zeit auf die doppelte Dauer gestreckt. Viereinhalb Monate nur Training ohne ein konkretes Ziel – für Yanna eine erneute Herausforderung.

„Am Anfang war es mir unangenehm, wieder bei der Sportstiftung anzuklopfen“, druckst sie. „Das wirkt, als würde man es alleine nicht gebacken kriegen.“

Wieder der richtige Fingerzeig

Direkt nach dem Abitur hatte Yanna ihre Zwillingskarriere gestartet, erst ein Orientierungspraktikum beim TÜV Rheinland absolviert, später ein Praxissemester beim Beratungsunternehmen Advyce eingelegt. Beide Stellen hatte die Sportstiftung NRW vermittelt. Ihr Trainer und ein Anruf räumten Yannas schließlich Zurückhaltung aus.

Die Fortsetzung einer Zwillingskarriere ist jederzeit möglich. Yanna bewarb sich für die Semesterferien als Werkstudentin bei der Kreissparkasse Köln. Das Geldinstitut ist Teil der Community Wirtschaft & Leistungssport, einer Gemeinschaft aus Unternehmen, die Spitzenathlet*innen an eine berufliche Karriere heranführen. Yannas Bachelor in Wirtschaftspsychologie lieferte die Vorlage, um konzeptionell auf Augenhöhe mitzuarbeiten, zum Beispiel am Bewerbungsverfahren der Bank. Ihr Fazit: „Ich glaube, ich habe einen guten Job gemacht“. Yanna wird ihr Studium als Stipen­diatin zu Ende bringen können. Sie erhielt ein Deutschlandstipen­dium, das ihre Hochschule vergibt und die Sportstiftung NRW fördert.

„Durch die Kombination Sport mit Studium oder Arbeit bin ich insgesamt leistungsfähiger und fühle mich zufrieden“, sagt sie. Der Fingerzeig der Sportstiftung war auch im dritten Anlauf passend. „Ich konnte immer meine Wünsche anbringen. Mir wurde nie etwas aufgezwungen“, erklärt die Athletin. „Es hieß: Yanna, wenn du unzufrieden bist, dann suchen wir weiter. Es geht um Dich.“ Das Jahr sei am Ende perfekt verlaufen, findet Yanna. Japanische Architekten brauchen sich wohl keine Sorgen um löchrige Wände im Olympischen Dorf machen.

„Ich bin leistungsfähiger durch die Kombination Sport mit Studium oder Arbeit.“

Yanna Schneider, Deutsche Meisterin im Taekwondo

Categories: Story Schlagwörter: , , , , | Comments 5809 Was macht eigentlich Alessio?

Judoka Alessio,
Werkstudent im Architekturbüro HKR+ in Köln

Köln-Ehrenfeld im Kleinformat. Ein modern überdachter Marktplatz. Die Abstraktion eines Gebäudes. Alessio Murrone ist in einer neuen Welt angekommen. In einer, wo feine Skizzen, ausgeklügelte Modelle und explosiver Kampfsport sich verstehen. „Ich merke, dass ich meinen eigenen Weg gehe und immer weniger Zweifel habe“, sagt Alessio. Das Jahr 2020 habe seine Einstellung umgepolt.

Der 21-Jährige studiert seit November Architektur an der Technischen Hochschule Köln. „Als Ausgleich zum Judo habe ich schon immer viel gezeichnet“, sagt er. Viele Erstsemester überstehen die künstlerische Eignungsprüfung der TH nicht. Alessio fiel sie leicht. Wochenlang war er in seinen Projekten versunken, er zeichnete wie im Flow. „Ich habe einfach nicht mehr aufgehört und bin lediglich zwischendurch zum Training gefahren.“ Am Tag der offenen Tür an der TH wurden seine Entwürfe sogar zur Schau gestellt. Alessio führt diesen Achtungserfolg auf sein anderes Spezial­gebiet zurück: „Leistungssportler zeigen von vornherein mehr Biss, wo andere vielleicht eher chillen.“

Das Jahr habe ihn abgehärtet, meint Alessio. Sportlich raubte ihm der Lockdown die Wettkämpfe und zeitweise auch die Trainingsmöglichkeiten: „Es war ein Hin und Her, wann ich in die Halle durfte.“ Als Neuling im Männerbereich in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm braucht er jede Gelegenheit, um sich den Bundestrainern zu zeigen. Brenzlig wurde es vor dem Studium. Alessio suchte monatelang vergebens nach einer Stelle für das Grundpraktikum, welches jeder Bewerber vorweisen muss. „Das hat mich mental sehr belastet“, räumt der Judoka ein. Ein kleines Puzzleteil fehlte.

Passendes Puzzleteil vor dem drohenden Karrierechaos

„Ich finde es einfach nur wichtig, was die Sportstiftung NRW in diesen Situationen für Athleten leistet“, bekräftigt Alessio. Während der Pandemie wurde die Förderung von Talenten wie ihm ohne Einschränkung aufrechterhalten. Zudem fand die Sportstiftung das passende Gegenstück im drohenden Karrierechaos.

Für Rolf Kursawe und das Architekturbüro HKR+ ist Alessios Zwillingskarriere ebenfalls ein Gewinn. „Alessio ist pfiffig und talentiert“, freut sich HRK-Partner Kursawe. „Nach zwei Wochen Praktikum haben wir ihm angeboten, als Werkstudent bei uns zu bleiben – so lange, wie er möchte.“

Alessio musste nicht lange überlegen. „Statt eines Arbeitgebers habe ich hier einen Mentor gefunden. Das ist sehr besonders,“ schwärmt Alessio. „Ich bekomme Freiräume für meinen Sport und für mein Studium. Die Chemie stimmt und ich glaube, mein Mentor hat auch Spaß daran, einen jungen Studenten mit zu formen.“

Die Olympischen Spiele 2024 und 2028 hat der Athlet fest im Blick. Judo steckt seine Ziele, im Studium blüht er auf, sein neuer Unterstützer trägt beide Leidenschaften. Für Alessio gibt es keinen besseren Weg als die Zwillingskarriere: „Ich werde durchmarschieren.“

„Leistungssportler haben mehr Biss.“

Alessio Murrone, Judoka und Architekturstudent

Categories: Story Schlagwörter: , , , , , | Comments 5346 Was macht eigentlich …?

Ruderer Robin,
Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei KMPG in Köln

Der durchschnittliche Meister ist wie ein offenes Geheimnis. Es gibt ihn nicht. Es ist ein unvereinbarer Widerspruch. Ruderer Robin Goeritz – Europameister U23 – kann das bestätigen. Vom Mittelmaß hat er sich weit abgesetzt. Die Aussage steht, sogar, wenn Robin seine sportlichen Leistungen ausklammert.

„Als Leistungssportler kann man mehr bieten als Durchschnitt und sich von der Masse abheben“, sagt er. Dass dies stets mit viel Mühe verbunden sei, so ordnet er ein, klingt jedoch bodenständig, nicht abgehoben. Robin trainiert, studiert und arbeitet in Köln. Er ist darauf erpicht, dass alles einträchtig funktioniert.

Neben dem Jurastudium jobbt Robin seit zwei Jahren in einer Kanzlei. Er nutze die Bühne beim Captains Day der Sportstiftung, um die Aufmerksamkeit der Community Wirtschaft & Leistungssport auf sich zu ziehen. KPMG sagte einen Praktikumsplatz zu. Beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen fiel Robin als versierter Jurastudent auf, bot Überdurchschnittliches. Mit seinem Vierer-Team plus Steuermann gewann er im September 2020 die Junioren-EM, bei KPMG im Alleingang den Senior Manager.

Das Praktikum endete mit einem Jobangebot. Robin wird wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Kapitalmarktrecht. „Ich habe Glück mit meinem Team. KPMG nimmt Rücksicht auf meine sportliche Karriere“, erklärt er. „Diesen Erfolg habe ich auch der Sportstiftung NRW zu verdanken.“ Robin lobt auch das Mentorenprogramm der Deutschen Sporthilfe, mit dessen Hilfe er ebenfalls Praktika fand. Sportlich war 2020 sein bislang erfolgreichstes Jahr. Wenige Klausuren trennen ihn noch von der Vorbereitung auf das Staatsexamen an der Uni Köln.

Was er geschafft hat, können andere auch, glaubt Robin: „Vielen Athleten fehlt der Kontakt an der richtigen Stelle.“ Robin hat ihn bei seinen Förderpartnern gefunden.

„Sportler bieten mehr als Durchschnitt.“

Robin Goeritz, Ruderer und Jurastudent

Bobfahrer Christopher,
Werkstudent bei Baker Tilly in Dortmund

„Wir arbeiten Sie gut ein. Hoffentlich sind Sie dann im Winter weg.“ Christopher Koch hat den empathischsten Chef, den er sich vorstellen kann. Seit seinem Vorstellungsgespräch fahren sie dieselbe Linie, fachsimpeln über Kufen, Kurven und Kanäle. Christopher ist Bob-Anschieber im ersten Jahr. Sein Vorgesetzter, Martin
Weinand, war ebenfalls Anschieber. Heute ist der Geschäftsmann Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly. „Er kann total nachvollziehen, welchen Aufwand ich betreiben muss“, erzählt der Nachwuchsathlet. „Mit einem normalen Arbeitsverhältnis ist meine Saison nicht vereinbar.

Ich bin von Oktober bis Februar unterwegs. Trotzdem muss ich meinen Einkaufswagen und den Tank voll bekommen. Ohne die Unterstützung meines Arbeitgebers würde das nicht gehen“, erklärt der Student der Ruhr-Uni Bochum. Geschäftsführer Weinand und Werkstudent Christopher haben einen Deal. Während der Bobsaison arbeitet Christopher mobil bei reduzierter Stundenzahl. Wenn im Frühjahr die Hochphase für die Wirtschaftsprüfer beginnt und die der Bobfahrer endet, steigt er am Unternehmenssitz Dortmund in Vollzeit ein.

„Baker Tilly gibt mir einen großen Vertrauensvorschuss. Wichtig ist, dass ich mit meinen Kollegen genau abspreche, wann ich wie viele Aufgaben erledigen kann“, erläutert Christopher. Jede Zwillingskarriere zwischen Athlet*innen und Unternehmen basiert auf solchen individuellen Lösungen zum Vorteil beider. Christopher machte in der WG Bekanntschaft mit ihr. Ex-Mitbewohner Philipp plauderte vom Captains Day, wo seine Zwillingskarriere begann. Der Sprinter ist ähnlich häufig auf Reisen. „Philipp meinte: Ruf bei der Sportstiftung NRW an. Die kümmern sich auf jeden Fall.“

Inzwischen rät auch Christopher: „Dieses Angebot sollte man wahrnehmen.“ Die Sportstiftung prüfte sein Motivationsschreiben für Baker Tilly „sehr schnell“ und „mit gutem Auge“. Mit der Bewerbungshilfe im Rücken fühlte er sich sicher.

Mit seiner Premierensaison 2020/21 und beim neuen Arbeitgeber ist Christopher „mega“ zufrieden: „Ich war gut in Form, durfte WM-Luft schnuppern und hatte meinen ersten Einsatz mit dem Zweierbob im Europacup. Das spornt mich an, in Zukunft noch eine Schippe draufzulegen.“ Im Unternehmen lobt Christopher den starken Bezug zu seinen Studienfächern. „Ich rechne Bilanzen nach und recherchiere Gesetzestexte – praktische Erfahrung bringt mich weiter.“

Mindestens zwei Jahre, solange er noch bei den Junioren starten darf, möchte Christopher bei Baker Tilly bleiben. „Ich bin finanziell abgesichert und man gibt mir die Chance, mich sportlich zu zeigen.“

Categories: Story Schlagwörter: , , , , , , , | Comments 5784 Essener Qualität plakettiert

Gemischte Zimmer sind sehr beliebt. Kanuten mit Handballern, Fußballerinnen mit Schwimmerinnen, Triathleten mit Ruderern. „Dann hat man sich abends, nach Schule und Training immer etwas Neues zu erzählen“, weiß Sabine Böcker. Im Sport- und Tanzinternat Essen wohnen 50 Nachwuchssportler*innen zwischen 14 und 21 Jahren. Die Vorzüge der Sportartenvielfalt haben die meisten längst erkannt. „In der Schule muss man sein, bei uns darf man sein“, fasst Internatsleiterin Böcker mit einem Augenzwinkern zusammen.

„Wir tragen dafür Verantwortung, dass diese Jugendlichen ihre hohen sportlichen Ambitionen in einem physisch und mental geschützten Rahmen verfolgen können“, erklärt Gisela Hinnemann, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sportstiftung NRW. „Unterstützung im Sportinternat ist für ihre Zukunft in jeder Hinsicht fundamental.

Die Stiftung fördert den Internatsstandort Essen im Rahmen der Qualitätsoffensive jährlich mit 46.500 Euro. Dahinter steht eine ganzheitliche Strategie. Das Internat kann dadurch essentielle Kriterien für seine Bewohner*innen erfüllen, zum Beispiel eine Rund-um-die Uhr-Betreuung durch pädagogische Fachkräfte oder Unterstützung bei schulischen Aufgaben durch Hausaufgabenhilfe und Nachführunterricht. Die hohen Standards werden jetzt durch eine Plakette der Sportstiftung NRW symbolisch belegt.

„Jeder Athlet muss auch für die Zeit nach der Sportkarriere gewappnet sein“, sagt Gisela Hinnemann, die zwischen 2006 und 2009 als Lehrerin für Mathematik Sportklassen am benachbarten Helmholtz-Gymnasium unterrichtete und Sportler am Internat nachmittags betreute. Das Gymnasium und die Elsa-Brändström-Realschule sind Partner im Verbundsystem der Eliteschulen des Leistungssports. 2013 kürte der Deutschen Olympischen Sportbund diesen Schulverbund zur Eliteschule des Jahres.

Horst Melzer, Geschäftsführer des Internats: „Das Sport- und Tanzinternat ist ein Aushängeschild für Essen und für die duale Karriere junger Talente in Leistungssport und Ausbildung. Alle Absolvent*innen legen bei uns einen qualifizierten Schulabschluss ab.“

Fußballerin Turid Knaak gelang mit Beginn ihrer Internatszeit in Essen eine beispielhafte duale Karriere. Sie wurde Nationalspielerin und promovierte in diesem Jahr sogar an der Universität zu Köln (Sonderpädagogik). Damit ist sie die erste aktive deutsche Fußball-Nationalspielerin mit Doktortitel.

Andere prominente Vorbilder aus der Rüttenscheider Talentschmiede sind Kanute Max Rendschmidt, der in Rio und Tokio drei olympische Goldmedaillen gewann. Jakob Schneider ruderte mit dem Deutschland-Achter zu Olympia-Silber, ist Welt- und Europameister. Auch Schwimmer Marius Kusch (Europameister 100m Schmetterling 2019) war bei den Olympischen Spielen dabei. Dorthin möchte in Zukunft Rosalie Kleyboldt. Die Jugend-Europameisterin wohnt aktuell noch im Internat.

Wir sind viele – Die ehemaligen Bewohner*innen des Sport- und Tanzinternats in Essen.

1 Million im Jahr

Das im Jahr 2007 eröffnete Vollzeitinternat beherbergt Nachwuchs aus den olympischen Sportarten Schwimmen, Triathlon, Kanu, Rudern, Handball und Frauenfußball. Aufgenommen werden ausschließlich Angehörige eines Bundeskaders sowie herausragende NRW-Landeskader. Träger des Internats ist der Verein „Sport- und Tanzinternat e. V“ mit seinem Vorsitzenden Christian Hülsmann.

Die Sportstiftung fördert nordrhein-westfälische Sportinternate pro Jahr mit ca. 1 Million Euro. Darunter fallen Stellen für Internatsleiter, pädagogisches und sportpsychologisches Fachpersonal ebenso wie Projekte zur Berufsorientierung. Besonders talentierte Athlet*innen unterstützt die Sportstiftung zusätzlich mit einer Individualförderung von durchschnittlich 200 Euro pro Monat. Internatskosten können auf maximal 300 Euro monatlich gedeckelt werden.

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Sport- und Tanzinternat Essen erhält die Plakette "Partner der Qualitätsoffensive". Im Bild: Sabine Böcker (Internatsleitung), Christian Hülsmann (Vorsitzender des Trägervereins des Internats), Gisela Hinnemann (stv. Vorstandsvorsitzende der Sportstiftung NRW) und Horst Melzer (Geschäftsführer Internat) Categories: News Schlagwörter: , , , , , , , | Comments 5783 FC-Internat erstklassig

Teresa Rohner ist Teamleiterin von aktuell 49 Jugendlichen im FC-Sportinternat – Fußballer aus den Jugendmannschaften des 1. FC Köln, Eishockeyspieler vom KEC und Nachwuchsathlet*innen aus den olympischen Sportarten Judo, Turnen, Hockey, Radsport und Boxen. Köln ist deutschlandweit eines der wenigen Internate mit dieser heterogenen Zusammensetzung. 20 Internatsplätze sind ständig für Talente des Olympiastützpunkts NRW/Rheinland (OSP) reserviert.

„Alle profitieren und lernen voneinander und es macht das Zusammenleben vielfältiger und bunter“, erklärt Internatsleiterin Rohner. „Wichtig für uns ist, dass die Sportlerinnen sich im Internat wohlfühlen und sie über den Sport und das Schulische hinaus Lebenskompetenzen entwickeln.“

Träger des im Jahr 2003 gegründete Internats ist der 1. FC Köln. Geschäftsführer Alexander Wehrle sagt: „Wir legen großen Wert darauf, dass die Werte unseres Vereins im Internat vermittelt und gelebt werden. Das Miteinander so vielfältiger und ehrgeiziger junger Menschen aus verschiedenen Sportarten basiert auf gegenseitiger Unterstützung, Toleranz und Fairness.“

„Ein festes Fundament gießen“

Die Qualitätsprüfung der Sportstiftung NRW hat die Einrichtung bestanden, verkündete der Vorstandsvorsitzende Dr. Ingo Wolf: „Wir sehen uns als Sportstiftung in der Verantwortung, unseren herausragenden Talenten in Nordrhein-Westfalen alle Entwicklungsmöglichkeiten zu öffnen – sportlich wie schulisch. Mit der Qualitätsoffensive setzen wir unsere ganzheitliche Förderstrategie in die Praxis um. Die Zeit im Sportinternat ist richtungweisend. Wenn wir Athletinnen und Athleten in dieser Phase stärken, gießen wir ihrer Laufbahn in Leistungssport, Ausbildung und Beruf ein festes Fundament.“

Michael Niedrig, Geschäftsführer des Internats: „Der Weg vom Toptalent zum professionellen Leistungssportler ist ein langer Weg und ganz individuell von unterschiedlichen Herausforderungen geprägt. Diese Gesamtentwicklung gilt es ebenso individuell zu fördern und zu begleiten.“

Von Apetz bis Wickler

Viele mittlerweile namhafte Sportler*innen haben die Kölner Talentschmiede als Sprungbrett genutzt. Boxerin Nadine Apetz, Beachvolleyballer Clemens Wickler, Judoka Johannes Frey und Moritz Plafky nahmen in diesem Jahr an den Olympischen Spielen in Tokio teil. Die Judoka holten mit der Mannschaft die Bronzemedaille. Aus dem FC-Nachwuchsleistungsbereich haben zuletzt die Spieler Jan Thielmann, Noah Katterbach, Sava Cestic und Tim Lemperle den Sprung zu den FC-Profis geschafft. Die Eishockeyspieler Kevin Niedenz und Leo Hafenrichter wurden nach Kanada (OHL) gedraftet.

Das FC-Sportinternat wird im Rahmen der „Qualitätsoffensive“ mit jährlich 62.000 Euro gefördert.

FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle vor der Alumni-Wand des Sportinternats.

50 Qualitätsmerkmale

„Mit ihrer Initiative „Qualitätsoffensive“ zielt die Sportstiftung NRW auf einheitlich hohe Standards an allen geprüften Sportinternaten in Nordrhein-Westfalen. Dazu gehört eine 24-Stunden-Betreuung durch pädagogische Fachkräfte an sieben Tagen in der Woche. Jeder Bewohner wird sportpsychologisch, medizinisch und physiotherapeutisch umsorgt. Die unabhängige Prüfung der Sportstiftung stellt zudem sicher, dass die Internatsschüler präventiv vor sexualisierter Gewalt geschützt werden und in ihrer schulischen Ausbildung durch Hausaufgabenbetreuung und Nachführunterricht bestmöglich unterstützt werden. Insgesamt hat die Sportstiftung rund 50 Qualitätskriterien entwickelt und geprüft.

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Alexander Wehrle, Dr. Ingo Wolf, Teresa Rohner Categories: News Schlagwörter: , , , , , , , , | Comments