Weltmeister
21810 X-Man

Biathlon stand ganz oben auf der Watchlist. Ruven steckte mitten im Umzug in seine neue Studentenbude. Es gab viel zu tun, trotz Semesterferien. Sich die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina entgehen zu lassen, stand dessen ungeachtet aber nicht zur Debatte. Zu inspirierend waren die Eindrücke am Bildschirm. Insgeheim lässt Ruven seiner Phantasie schon freien Lauf. „Ich ertappe mich manchmal mit den Gedanken in Los Angeles“, gibt er zu. Seine Disziplin, der Compoundbogen, ist 2028 in der Klasse Mixed-Team erstmals Teil des olympischen Sommerprogramms. Ruvens Jahr 2025 rechtfertigte solche Träume durchaus.

„Das sportliche Niveau zieht dich einfach mit“

„Die nächste Stufe ist Olympia“, zitiert Freundin Katja Ruvens Bericht von den Rhine-Ruhr FISU World University Games (WUG), für die der 20-Jährige im Sommer nominiert war. Spätestens beim Einkleiden war der Funke übergesprungen und Ruven merkte, dass er im Begriff war, Teil von etwas Großem zu werden, gar „dem Größten, was ich sportlich bis dahin erlebt hatte“. Die Universiade war 2025 das weltweit größte Multisportevent. Mit dabei: rund 300 Bogenschützen. Die besten Athleten, die die Studierendenwelt aufbieten kann, kamen nach Essen. „Das war deutlich mehr Thrill als bei deutschen Meisterschaften. Ich konnte häufig mit Top-Stars an derselben Scheibe trainieren. Ihr Niveau zieht dich einfach mit“, sagt Ruven.

In der trainingsfreien Zeit besuchte er mit Athleten aus Indien, Frankreich und der Türkei Wettbewerbe im Basketball, Beachvolleyball und Turnen. Unterwegs in der U-Bahn wurden sie jeden Tag von Passanten als Sportler erkannt und angesprochen. „Das war cool – die wertschätzenden Reaktionen und dass man endlich mal außerhalb seiner Bogenschützen Bubble erzählen konnte, was man macht“, berichtet er. Die Abende vergingen beim Fachsimpeln in der Hotellobby.

Treffer in Perfektion und ein X im Kalender

Ruven beendete die WUG auf Platz 5. Nur einen Monat später stieg er in die Riege der Champions auf: Bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Kanada gewann der Dinslakener Gold im Einzel sowie Silber mit dem Team. Der Grundstein für diesen Formanstieg wurde in Essen gelegt, ist er sich sicher. Unvergessen bleibt auch dieser eine perfekte Schuss im Achtelfinale der Universiade: Ruvens Pfeil stach exakt in die Mitte der Scheibe. Ein sogenanntes „X“ kann von keinem Kontrahenten übertroffen werden und ist selbst für Spitzenathleten ein seltenes Erlebnis. Es ist die ultimative Bestätigung auf der ständigen Jagd nach Perfektion. „Ich werde alles dafür tun, um bei den nächsten World University Games wieder dabei zu sein“, sagt Ruven. „Alles war perfekt“ – und damit meint er nicht nur sein „X“.

Die Juniorenklasse lässt der U21-Weltmeister nun hinter sich und geht selbstbewusst ins erste Jahr bei den Herren: „Ich werde das Feld ein bisschen aufmischen.“ Die Teilnahme an den nächsten Olympischen Spielen wirkt momentan wie der eine Volltreffer, für den man tausende Versuche braucht. „Es wird schwierig, aber ist machbar“, sagt Ruven. Am 14. Juli 2028 steht möglicherweise schon ein X im Kalender.

Ruven Flüss
geb. 2005, aus Dinslaken. Er startet für den BSV Eppinghoven und studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der FH Heilbronn.


Erfolge 2025:

5. Platz Rhine-Ruhr FISU World University Games

1. Platz U21-Weltmeisterschaften, 2. Platz im Team

1. Platz Jugend-Europa-Cup, Gesamtsieg

1. Platz Deutsche Meisterschaften (Herren)

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