Sportstiftung intern

Büro 101 wird frei

Jürgen Brüggemann war mehr als zwei Jahrzehnte Geschäftsführer der Sportstiftung NRW. Am 31. Juli verabschiedet er sich nach exakt 7.426 Tagen Amtszeit in den verdienten Ruhestand. Vorher haben wir ihm die 20 wichtigsten Fragen aus 20 Jahren gestellt.

26.07.2021

1. Lieber Jürgen, was hast Du mit Ulrike Nasse-Meyfarth, Erika Dienstl, Dr. Arnd Schmitt, Christian Keller und Susanne Veltins gemeinsam?

Jürgen Brüggemann: Wir sind alle seit Anbeginn der Sportstiftung dabei.

2. Wie viele Abstiege Deines 1. FC Köln hast du in dieser Zeit mit-erlebt?

(Überlegt) Bestimmt sechs. (Es waren fünf, Anmerkung der Red.)

3. Was nimmst Du aus Deinem Büro Raum 101 mit?

Sehr schöne Erinnerungen, die ich nicht missen möchte.

4. Wie funktioniert Deine Zwillingskarriere „Sport & Ruhestand?

Mein großes Ziel ist es, fit zu bleiben. Ich werde jeden Tag für einen gestählten Körper arbeiten (lacht), golfen, Tennis spielen, Radfahren und mich mit meinem Neffen im Tischtennis duellieren. Ich freue mich auf die Zeit mit der Familie. Den Rest überlasse ich dem Zufall, damit bin ich immer gut gefahren.

5. Kannst Du die Sportstiftung NRW in 3 Worten beschreiben?

Athletenzentriert, handlungsschnell, Impulsgeber.

6. Warum wolltest Du diesen Job?

Weil die Sportstiftung neu und einzigartig in der Leistungssportlandschaft war. Wir konnten sie wie ein Start-up-Unternehmen aufbauen, weiterentwickeln und immer wieder neu erfinden.

7. Wer hat Deine Arbeit entscheidend geprägt?

Dr. Hans Jürgen Baedeker, unser erster Vorstandsvorsitzender, hat mir die Freiheiten gegeben, um vereins- und sportartübergreifenden Ideen verwirklichen zu können. Auf sportpolitischer Ebene hat er uns stets den Rücken freigehalten. Inhaltlich haben insbesondere die Wirtschaftsexperten Ernst Neumann und Manfred Remmel meine Arbeit geprägt. Ohne ihr grandioses ehrenamtliches Engagement gäbe es die Community Wirtschaft & Leistungssport nicht.

Ich möchte auch Sophie von Saldern, Uli Nasse-Meyfarth, Dr. Arnd Schmitt sowie das Ehepaar Dr. Grundmann und Dr. Kreuz hervorheben. Sie haben uns die Türen zu den Unternehmen geöffnet. Und ohne Werner M. Dornscheidt gäbe es keinen Captains Day, unsere wichtigste Veranstaltung.

8. Kennst Du tatsächlich alle NRW-Athlet*innen persönlich?

Von 2004 bis 2016 hatte ich einen sehr guten Überblick. Von inzwischen über 500 Geförderten kenne ich viele persönlich, aber nicht alle.

„Hans Wilhelm Gäb war und ist ein großes Vorbild.“

9. Welche Begegnung hat Dich nachhaltig beeindruckt?

Hans Wilhelm Gäb war und ist ein großes Vorbild. Mit welcher Beharrlichkeit er das Deutsche Tischtennis-Zentrum Düsseldorf gegen alle Widerstände der Sportpolitik aufgebaut hat. Mir imponiert auch sein Einsatz für die Werte des Fairplay.

10. Auf welche Projekte bist Du besonders stolz?

Auf unsere Community Wirtschaft & Leistungssport, die Zwillingskarriere mit dem Captains Day, die „Coach-the-Coach“ -Veranstaltungen und unsere individuelle, bedarfsorientierte und ganzheitliche Förderung.

11. Welche Laster konntest Du nie ablegen? Gummibärchen, …

… und Projektideen zu kreieren, ohne die Folgen für unser kleines Team zu bedenken. Das brachte uns teils an die Belastungsgrenzen.

12. Was sagen Dir Deine Mitarbeiter nach?

Dass ich ein „Technikfuchs“ der Sportstiftung bin (lacht).

13 Was war Deine schönste Aufgabe?

Die spannenden Gespräche mit den Athlet*innen und Trainer*innen. Auch der offene und immer auf den Punkt gebrachte Austausch mit den Führungspersönlichkeiten verschiedener Unternehmen war faszinierend.

„Wir sind ausschließlich Dienstleister zum Wohle der Sportelite in NRW.“

14. Was war das wichtigste Ziel in 20 Jahren der Sportstiftung?

Partnerschaftlich sportartübergreifende Ideen zu entwickeln, die in NRW-Leistungssportzentren münden und die Athlet*innen tatsächlich in den Mittelpunkt stellen. Wir sind ausschließlich Dienstleister zum Wohle der Sportelite in NRW.

15. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Sportstiftung?

Das freie Denken. Hier ist immer Raum für innovative Ideen, die wir pragmatisch und vertraulich miteinander diskutieren.

16. Was war Deine beste Platzierung beim Ecker-Rosendahl-Golfcup?

Ich war immer froh, dass ich überhaupt mitspielen durfte (lacht).

17. Wem möchtest Du unbedingt noch Danke sagen?

Sehr vielen lieben Menschen, die mich über Jahrzehnte unterstützt haben – in schönen und schwierigen Zeiten.

„Denke pragmatisch
statt bürokratisch!“

18. Welchen Rat gibst Du Deinem Nachfolger?

Lebe den Stiftungsgedanken und schätze die Eigenständigkeit dieser einzigartigen Sportstiftung. Gib nie auf – alle Veränderungsprozesse sind möglich, manchmal erst nach Jahren. Denke pragmatisch statt bürokratisch. Erkenne stets das Individuelle jeder Athletin und jedes Athleten und fördere es.

19. Woran sollte die Sportstiftung in Zukunft festhalten?

Leistungssport muss für Athlet*innen mit einem Mehrwert verbunden sein – weit über den sportlichen Erfolg hinaus! Das betrifft die Persönlichkeitsentwicklung und den Aufbau von Lebensperspektiven, die ohne den Leistungssport unerreichbar scheinen.

20. Hättest Du jemals einen anderen Job machen wollen?

Auf keinen Fall. Geschäftsführer der Sportstiftung NRW sein zu dürfen, ist ein Traum. Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Job leben durfte. Danke für sensationelle 20 Jahre!

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