Volleyball
4845 Berufsorientierung mit Luisa

Seit Oktober 2019 läuft das Pilotprojekt „Potenzialanalyse zur Berufsorientierung“ in den Sportinternaten. Es ist ein Angebot für Nachwuchssportler*innen der Abschlussjahrgänge bis 2022. Es soll ihnen Perspektiven für ihre berufliche und sportliche Karriere aufzeigen. Das Projekt der Sportstiftung NRW ist Teil der Qualitätsoffensive in NRW-Sportinternaten.

Volleyballerspielerin Luisa van Clewe hat eine Potenzialanalyse mitgemacht und berichtet von ihren Erfahrungen.

Luisa ist 18 Jahre alt und lebt seit drei Jahren im Sportinternat Münster. Gerade hat sie ihre Abiturprüfungen am Pascal-Gymnasium abgelegt. Luisa gilt als eines der größten Volleyball-Talente in NRW. Als Mittelblockerin spielte sie mit einem Doppelspielrecht bisher für die Auswahl des VC Olympia Münster (3. Liga) und den Zweitligisten BSV Ostbevern. Im Sommer wechselt sie an den Bundesstützpunkt nach Berlin, wo sie den Sprung in die Bundesliga schaffen möchte: „Ich muss an ein paar technischen Feinheiten arbeiten und möchte in Berlin Spielerfahrung sammeln.“ Danach ist die Rückkehr nach NRW eingeplant. Parallel beginnt Luisa ein Psychologiestudium. Die Potenzialanalyse hat sie in ihren Entscheidungen bestärkt.

Luisa, welchen Plan hattest Du nach dem Schulabschluss, bevor Du an der Potenzialanalyse teilgenommen hast?

„Ich will immer das Beste erreichen und alles aus mir herausholen. Es kam für mich nicht in Frage, nach der Schule erstmal ein Jahr gar nichts zu machen. Ich möchte direkt studieren. Anfangs habe ich mich für mathematische Berufe interessiert. Architektur fand ich ganz gut, habe ein Praktikum beim Statiker gemacht, mich danach aber umentschieden. Durch den Deutsch-Leistungskurs rückte Psychologie in meinen Fokus. Ich habe dann meine Facharbeit über den Einfluss von mentaler Stärke im Beachvolleyball im Vergleich zum Hallen-Volleyball geschrieben. Mir war schon immer sehr wichtig, dass ich meine nächsten Schritte vorausplane. Ich bin nicht so spontan. Deswegen fand ich das Angebot einer Berufsberatung schon ziemlich hilfreich.“

„Das war fast ein bisschen gruselig und echt spannend.“

Luisa van Clewe war überrasscht von der Auswertung ihrer Potenzialanalyse.

Kick-Off, Online-Analyse, Beratungsgespräch

Bei einer Kick-Off-Veranstaltung im Sportinternat wird der Ablauf der Berufsberatung vorgestellt. Wer teilnehmen möchte, erhält einen Online-Zugang zur Potenzialanalyse. Diese besteht aus zwei Teilen und beschäftigt sich mit den Verhaltenspräferenzen und den Motiven der Teilnehmer*innen. Sie geben jeweils an, wie sie in verschiedenen Situationen handeln würden. „Es waren meist etwa fünf Aussagen, die man in eine Reihenfolge bringen sollte“, erzählt Luisa. „Von ‚Trifft am meisten auf mich zu‘ bis ‚Trifft am wenigsten zu‘. Dafür habe ich auch eine Weile gebraucht.“

Anhand der Antworten wird ein ausführliches Profil der Athlet*innen erstellt. Luisa ist ihre Auswertung zunächst mit ihren Eltern durchgegangen: „Ich war überrascht, wie sehr man sich darin wiedererkennt. Das war fast ein bisschen gruselig und echt spannend.“

In Beratungsgesprächen wird das Profil gemeinsam mit den Sportler*innen analysiert und anschließend in die Berufswelt gespiegelt. So können konkrete Berufsziele identifiziert werden. Die Berater geben dann Tipps bei der Wahl von Studienfach und Praktika.

„Athlet*innen sollen sich selbstständig auf dem Arbeitsmarkt orientieren können.“

Thorsten Rüßel, Berufsberater

„Unsere Beratung hat nicht das Ziel, dass wir den Teilnehmer*innen sagen, dieser Beruf passt zu dir und dieser passt nicht zu dir, sondern wir wollen bewusst eine Hilfestellung zur Selbsthilfe geben. Das heißt, die Athlet*innen dazu befähigen, dass sie sich selbstständig auf dem Arbeitsmarkt orientieren können,“ erklärt Berater Thorsten Rüßel, Geschäftsführer impegio GmbH.

Bei Luisa kam heraus, dass ihr Stärken im logischen und analytischen Bereich liegen und ihr Profil mit ihrem Berufswunsch Psychologie übereinstimmt. Ihr Berater empfahl ihr ein Praktikum. Das fand Luisa dann auch „richtig gut“. „Ich habe auch einen relativ stark ausgeprägten sozialen Teil. Das heißt, dass ich gerne mit Menschen arbeite. Es kann sein, dass diese Ausprägung in einem mathematischen Berufsfeld zu kurz gekommen wäre.“

Hat Dir die Potenzialanalyse Aufschluss über Deinen berufliche und sportliche Zukunft gegeben?

„Ja, auf jeden Fall. Das ging allen in unserem Abiturjahrgang so. Wir haben unseren Beratern ein echt gutes Feedback gegeben. Ich war mit eigentlich schon relativ sicher, dass ich neben dem Leistungssport studieren will. Auch wenn das stressig ist. Dadurch, dass ich jetzt eine konkrete berufliche Vorstellung habe, ist es einfacher, sie dem Sport entsprechend anzupassen, finde ich. Das war einfach gut, um Planungssicherheit zu haben. So kann man sich auch besser darauf konzentrieren, seine sportlichen Ziele zu verwirklichen, ohne diesen Druck im Hinterkopf. Wenn man seine Stärken und Schwächen kennt, ist das außerdem nicht nur im beruflichen, sondern auch im sportlichen Sinn nicht schlecht.“

Wann findest Du diese Beratung sinnvoll?

„Vor allem, wenn man schon eine Idee hat, finde ich es sehr gut. Man muss ja noch keinen konkreten Berufswunsch haben. Aber wenn man schon einige Sachen ausschließen kann, ist das auf jeden Fall hilfreich. Dann kann man seine Idee weiter eingrenzen oder weiß, wie man sie bestärkt. Wer noch gar keine Idee hat, dem kann die Potenzialanalyse natürlich auch helfen, Input zu bekommen.“

 

2021 nahmen rund 85% der Sportler*innen, die zum Kick-Off geladen waren, an den Beratungen teil – obwohl die Veranstaltung aufgrund von Corona lediglich per Mail-Kontakt stattfinden konnte Während der Pilotphase wird die Potenzialanalyse ausschließlich Bewohner*innen de NRW-Sportinternate angeboten.

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