Internatsförderung

Tschüss, Mama! Lene zieht aus

Die beiden Frauen eint ihr unbedingter Willen. Tochter Lene gelang nach ihrem Umzug ins Sportinternat ihr bisher größter Erfolg im Ruderboot. Ohne Hilfe wäre die Belastung für Mutters Geldbeutel jedoch zu groß gewesen.

29.10.2019 | Sebastian Burg

„Mir war klar, dass Lene ihre sportlichen Ziele bei mir in Hamm nie hätte verwirklichen können“, erklärt Britta. Ihre Erkrankungen mit dem damals noch ungewissen Ausgang bestärkte sie sogar: „Jetzt erst recht, dachte ich. Mein Kind, mach‘, was Du möchtest in deinem Leben.“ Das tat Lene. 2019 ruderte sie zum Vizeweltmeistertitel im Juniorinnen-Achter. Weit draußen auf dem Wasser. 

Rückblick: Lene zog Mitte der 9. Klasse ins Tanz- und Sportinternat nach Essen. Ihr Trainingsmittelpunkt wurde die Ruhr, das Helmholtz-Gymnasium ihre neue Schule. Hier konnte sie sich messen und verbessern. Nach wenigen Wochen hatte sich die Schülerin eingelebt. Ihre solide Ruderausbildung in ihrem Heimatverein, dem RC Hamm, kam ihr zugute.

Frauen mit unbedingtem Willen 

Sportlich hat die Teenagerin seitdem mehr erreicht als sie zu träumen wagte. Auf Anhieb wurde Lene im gesteuerten Doppelvierer Deutsche Vizemeisterin auf der 2.000 Meter-Strecke, dreifache NRW-Meisterin (Doppelzweier, Doppelvierer, Mixvierer), zweifache Deutsche Sprintmeisterin (Doppelzweier und Doppelvierer). Vorläufiger Höhepunkt war die WM-Silbermedaille mit dem U19-Achter in Tokio. 

Lene bringt die notwendige Trainingshärte mit. Das unterschied das kleine Mädchen früh von ihren älteren Zwillingsbrüdern, denen sie im Ruderboot anfangs nacheiferte, die sie durch ihren Ehrgeiz aber bald überholte. „Wenn ich heute sehe, wie Lene in ihrem Verein, mit ihren Mannschaftskameradinnen und Freundinnen im Internat aufblüht, geht mir das Herz auf“, sagt Britta. Den unbedingten Willen haben Mutter und Tochter gemein. Britta besiegte ihre Krebserkrankung. 

„Ich möchte, dass meine Kinder ihre Talente nutzen.“

Britta Mührs, Mutter von Bundeskaderruderin Lene

Belastungsprobe fürs Portemonnaie 

Der Wechsel ins Sportinternat hat sich für die Ruderin zweifelsohne gerechnet. Für Mutters Geldbeutel bedeutet er jedoch eine Belastung. Aufgrund ihrer Erkrankungen kann die Polizistin nur noch in Teilzeit arbeiten. Ihre Wohnung in Hamm teilt sie mit ihren beiden berufstätigen Söhnen. 

Jeden Monat fallen für das Internat, Lenes Bahnticket und etwas Taschengeld etwa 650 Euro zur Last. Hinzu kommen die Kosten für Trainingslager und Regatten, Ausrüstung und Vereinsbeiträge – monatlich noch einmal 230 Euro, rechnet Britta vor. „Ich möchte, dass meine Kinder ihre Talente nutzen“, betont sie gleichwohl. 

„Ohne die Sportstiftung niemals machbar“

Durch Laufbahnberaterin Katrin Sattler vom Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr und Leistungssportkoordinator Ralf Wenzel vom Ruderverband erfuhr die Mutter, dass Lenes Unterbringung im Sportinternat durch die Sportstiftung NRW gefördert werden kann. 

Mit 3.600 Euro jährlich wird die Alleinerziehende von der Sportstiftung entlastet. Sobald die Belastung durch Internatskosten 300 Euro pro Monat übersteigt, springt die Stiftung ein. „Dadurch muss ich nicht jeden Monat überlegen, was für mich machbar ist. Ich kann auf Lenes Bedürfnisse sehr viel einfacher eingehen, zum Beispiel wenn Ausrüstung oder Kleidung notwendig sind“, freut sich Britta. „Ohne die Sportstiftung NRW wäre all das niemals machbar gewesen.“ 

Update:

Lene Mührs (*26. Juni 2002) aus Hamm wohnt im Sport- und Tanzinternat Essen und startet für die Kettwiger Rudergesellschaft. 2019 holte sie im Achter den 2. Platz bei der Junioren-WM in Tokio. Dazu den 2. Platz bei der Deutschen Meisterschaft über 2000 Meter sowie im Vierer mit Steuermann Platz drei. 

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