„Athleten sind Menschen mit besonderen Fähigkeiten“

Die Sportstiftung hat die Schnittstelle zwischen Athleten und Wirtschaftspartnern verstärkt. Haider Hassan ist als Referent für Athletenförderung neu im Team.

01.07.2020 | Sebastian Burg

Mit über 400 olympischen und paralympischen Leistungssportlern ist das Perspektivteam NRW größer denn je. Auch die Community Wirtschaft & Leistungssport wächst. Zu dem Netzwerk gehören über 150 Unternehmen und Förderer, die Athleten bei einer Zwillingskarriere und als Partner von Deutschlandstipendien unterstützen. Haider Hassan arbeitet auf diesen Gebieten. Der 40-jährige diplomierte Betriebswirt hat die Referentenstelle für Athletenförderung in der Geschäftsstelle Köln übernommen. Die Stelle wurde neu geschaffen, um unter anderem die Online-Sportlerbörse weiterzuentwickeln. Wir haben unseren neuen Kollegen zu einem ersten Gespräch abgeholt.

Haider, wie hat das Onboarding bei der Sportstiftung funktioniert?

Haider Hassan: Das Team hat mich bei einem gemeinsamen Frühstück sehr herzlich willkommen geheißen. Das tat gut und diese Art Onboarding zeigt für mich auch das Besondere an der Sportstiftung NRW: der Persönliche sticht heraus. Man hat das Wissen um die Bedürfnisse der geförderten Athleten, der Partner, aber auch der Kollegen. Wir differenzieren uns über die Art, wie wir mit unseren Förderangeboten auf sie zugehen. Es ist ein vertrauensvolles Verhältnis. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren, das passt zu mir und meiner Arbeitsweise.

Du übernimmst eine Schlüsselrolle im Zusammenspiel von Athlet*innen mit unseren Partnerunternehmen. Wann kommst Du ins Spiel?

Haider: Ich bin Ansprechpartner für die berufliche Karriere, die bei uns ja Zwillingskarriere heißt, und für die Deutschlandstipendien. Und zwar sowohl für Athlet*innen als auch für die Unternehmen. Ich führe beide – zum Beispiel über unsere Online-Sportlerbörse – zusammen und begleite sie auf ihrem gemeinsamen Weg. Wir haben den „Matching“-Prozess anhand dieser Plattform digitalisiert und vereinfacht. Gemeinsam mit den Unternehmen arbeiten wir ein passgenaues, sportlerfreundliches Modell heraus.

Corona hat uns 2020 vor Augen geführt, wie wichtig es ist, sich digital begegnen zu können. Die Online-Sportlerbörse kann zum Knotenpunkt für verschiedene Kommunikationswege werden. Wir wollen den digitalen Weg auf jeden Fall weitergehen. Der Prozess ist lebendig und sehr spannend.

„Es ergibt keinen Sinn, Athleten in ein strukturelles Konstrukt zu zwängen.“

Die Sportstiftung NRW füllt Lücken und baut Brücken. Was heißt das genau?

Haider: Wir richten uns bewusst auch an Zielgruppen, die weniger beachtet werden, wie etwa die Nachwuchskader oder den paralympischen Sport. Hier schließen wir Lücken in der Förderstruktur. Brücken bauen wir in Richtung Zwillingskarriere zwischen Athleten, Unternehmen und der Gesellschaft. Wir verstehen den Athleten dabei weniger als unterstützungsbedürftigen Menschen, sondern vielmehr als eine Persönlichkeit mit besonderen Fähigkeiten und mit Potenzial für Unternehmen.

Du hilfst Athlet*innen die berufliche Karriere anzupacken, sagst aber auch, dass sie sich nicht zu sehr unter Erfolgsdruck setzen sollten.

Haider: Ja, ich finde es wichtig, etwas auszuprobieren und sich nicht einzuengen. Ich habe zum Beispiel meinen ersten festen Job infolge eines Praktikums bekommen und blieb dort sieben Jahre. Wenn ich feststelle, dass eine Tätigkeit nicht das verspricht, was ich beruflich machen möchte, ist das jedoch auch eine wertvolle Erkenntnis. Hier darf man als Sportler mal nicht in den Kategorien Sieg oder Niederlage denken. Man gewinnt immer – mindestens an Erfahrung. Die Perspektive wird schärfer. Man entwickelt sich persönlich weiter und wird sich seinen Zielen und seiner Motivation bewusster. Ich sage deshalb: Gönn Dir das Ausprobieren!

Eine persönliche Beziehung ist ausschlaggebend. Wie gelingt dir das bei über 150 Unternehmen und Förderern?

Haider: Jeder Partner aus unsere Community Wirtschaft & Leistungssport verbindet eine eigene Geschichte mit der Sportstiftung. Mein Ziel ist es, diesem Netzwerk mehr Struktur zu verleihen. Das betrifft vor allem die Kommunikation und die Beziehungspflege. Ich möchte regelmäßige Termine mit unseren Partnern, damit wir ihre Ziele in der Zusammenarbeit mit uns und den Athleten abstecken und später auch bewerten können. Dieser Austausch ist wichtig, um zu jeder Zeit bedarfsorientiert agieren oder reagieren zu können. Es bleibt aber immer ein Spagat zwischen mehr Struktur und der flexiblen, individuellen Lösung. Es ergibt keinen Sinn, einen Athleten in ein strukturelles Korsett zu zwängen, das seine speziellen Bedürfnisse nicht berücksichtigt.

Ein anderes Netzwerk, unser Alumni-Kreis, befindet sich im Aufbau. Du hast darin bereits Erfahrung. Welchen Ansatz verfolgst Du?

Haider: Alumni sind ehemalige, geförderte Sportler, die eine Verbindung zur Sportstiftung über ihre Förderzeit hinaus aufgebaut haben. Das heißt, wir betrachten jeden Nachwuchsathleten, der zu uns kommt, als künftigen Alumni. Jeder berufstätige Alumni ist ein potenzieller, künftiger Mentor für nachfolgende Athleten. Übrigens: Den Übergang ins Berufsleben nach der Sportkarriere können wir mit einer befristeten finanziellen Förderung unterstützen.

Ich habe das Thema während meines Sportmanagement-Studiums kennengelernt. Anfang der 2000er Jahre gründeten wir an meiner Hochschule einen Alumni-Verein. Alle Kommilitonen verstanden sich gut. Es gab den Wunsch nach dem Studium privat und beruflich miteinander vernetzt zu bleiben. Das gelingt uns bis heute. Ein Alumni-Netzwerk hat den Vorteil, dass man einander bereits gut kennt oder schnell in Kontakt kommt. Man weiß um die Qualitäten der anderen. Das hilft auch im beruflichen Kontext. Ohne Klüngelei. 

Die Studienzeit und gemeinsame emotionale Erlebnisse auch danach sind das verbindende Element. Dadurch entsteht ein Wir-Gefühl. Diesen Ansatz wollen wir auf die Sportstiftung NRW übertragen und dafür in Zukunft Angebote für unsere Athleten schaffen.

Haider Hassan ist in der Welt des Sportbusiness zu Hause. Der gebürtige Freiburger und heutige Kölner war viele Jahre für die DFL Stiftung tätig. Ehrenamtlich engagiert er sich im Vorstand einer Kinderhilfsorganisation sowie eines Sportmanagement-Alumnivereins.

Kontakt
Haider Hassan
Haider Hassan

Referent für Athletenförderung
haider.hassan@sportstiftung-nrw.de
0221 4982 6028