Die aktuelle Story

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Tschüss, Mama! Lene zieht aus

"Ich vermisse Lene oft noch sehr", sagt Britta Mührs. Ihr Blick hängt, wie so oft an den Wochenenden, an einem schmalen Boot weit draußen auf dem Wasser. Britta ist alleinerziehende Mutter. Seit zwei Jahren ist die Polizeibeamtin aus Hamm mehr alleine als erziehend. Tochter Lene zog im Alter von 15 Jahren Zuhause aus.

Beide wussten zu diesem Zeitpunkt, dass Britta an Brustkrebs erkrankt war. Trotzdem wurde der Auszug durchgezogen. Weder Gefühlskälte noch eine beschädigte Mutter-Tochter-Beziehung waren der Grund dafür.

"Jetzt erst recht!" Lene und Britta Mührs.

"Mir war klar, dass Lene ihre sportlichen Ziele bei mir in Hamm nie hätte verwirklichen können", erklärt Britta. Ihre Erkrankungen mit dem damals noch ungewissen Ausgang bestärkte sie sogar: "Jetzt erst recht, dachte ich. Mein Kind, mach', was Du möchtest in deinem Leben." Das tat Lene. 2019 ruderte sie zum Vizeweltmeistertitel im Juniorinnen-Achter. Weit draußen auf dem Wasser.

Rückblick: Lene zog Mitte der 9. Klasse ins Tanz- und Sportinternat nach Essen. Ihr Trainingsmittelpunkt wurde die Ruhr, das Helmholtz-Gymnasium ihre neue Schule. Hier konnte sie sich messen und verbessern. Nach wenigen Wochen hatte sich die Schülerin so gut eingelebt, dass sie auch ihrem Heimatverein, dem RC Hamm, den Rücken kehrte und zur Kettwiger Rudergesellschaft wechselte. Ihre gute Ruderausbildung nahm sie mit.

Frauen mit unbedingtem Willen

Sportlich hat die 17-Jährige seitdem mehr erreicht hat, als sie zu träumen wagte. Auf Anhieb wurde Lene im gesteuerten Doppelvierer Deutsche Vizemeisterin auf der 2.000 Meter-Strecke, dreifache NRW-Meisterin (Doppelzweier, Doppelvierer, Mixvierer), zweifache Deutsche Sprintmeisterin (Doppelzweier und Doppelvierer). Vorläufiger Höhepunkt war die WM-Silbermedaille mit dem U19-Achter in Tokio.

Lene bringt die notwendige Trainingshärte mit. Das unterschied das kleine Mädchen früh von ihren älteren Zwillingsbrüdern, denen sie im Ruderboot anfangs nacheiferte, die sie durch ihren Ehrgeiz aber bald überholte. "Wenn ich heute sehe, wie Lene in ihrem Verein, mit ihren Mannschaftskameradinnen und Freundinnen im Internat aufblüht, geht mir das Herz auf", sagt Britta. Den unbedingten Willen haben Mutter und Tochter gemein. Britta besiegte ihre Krebserkrankung.

Belastungsprobe fürs Portemonnaie

Aus sportlicher Sicht hat sich der Wechsel ins Sportinternat zweifelsohne gerechnet. Für Mutters Geldbeutel bedeutet er bis heute eine Belastung. Seit ihrer Erkrankungen kann die Polizeibeamtin nur noch in Teilzeit arbeiten. Die Wohnung in Hamm teilt sie mit ihren beiden berufstätigen Söhnen.

Jeden Monat fallen für das Internat, Lenes Bahnticket und etwas Taschengeld etwa 650 Euro zur Last. Hinzu kommen die Kosten für Trainingslager und Regatten, Ausrüstung und Vereinsbeiträge - monatlich noch einmal 230 Euro, rechnet Britta vor. "Ich möchte, dass meine Kinder ihre Talente nutzen", betont sie gleichwohl.

"Ohne die Sportstiftung niemals machbar"

Durch Laufbahnberaterin Katrin Sattler vom Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr und Leistungssportkoordinator Ralf Wenzel vom Ruderverband erfuhr die Mutter, dass Lenes Unterbringung im Sportinternat durch die Sportstiftung NRW gefördert werden kann. Mit 3.600 Euro jährlich wird die Alleinerziehende so derzeit entlastet.

„Ich muss nicht jeden Monat überlegen, was für mich noch machbar ist. Dadurch kann ich auf Lenes Bedürfnisse, wenn zum Beispiel Ausrüstung oder Kleidung notwendig ist, sehr viel leichter eingehen“, freut sich Mutter Britta. "Ohne die Sportstiftung NRW wäre all das niemals machbar gewesen. Ein großer Dank dafür!"

Zur Person: Lene Mührs

Lene (Mitte) und der U19-Achter bei der WM in Tokio mit den "versilberten" Glückssocken. Das Ritual hat Britta Mührs eingeführt. Vor jedem Rennen stattet sie die Boote ihrer Tochter mit neuen bunt-schrillen Socken aus.

Geboren: 26. Juni 2002, Hamm 

Wohnort: Sport- und Tanzinternat Essen

Vereine: Kettwiger Rudergesellschaft, Ruderclub Hamm

Trainer: Florian Momm, Laura Rottmann, Ralf Wenzel

Disziplinen: Riemen 

Sportliche Erfolge:

2. Junioren-WM in Tokio 2019 mit dem Achter
2. Platz Deutsche Meisterschaft 2019 über 2000 Meter im Achter
3. Platz Deutsche Meisterschaft 2019 im Vierer mit Steuermann
Deutsche Meisterin im Doppelzweier, Doppelvierer und Mixvierer 2018
Deutsche Sprintmeisterin im Doppelzweier und Doppelvierer 2018
Deutsche Vizemeisterin im Sprint (Mixvierer) 2018