Die aktuelle Story

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Taekwondo-Athletin Madeline hat dreimal zwei Minuten

Der Taekwondo-Athlet an sich hat wenig Zeit. Geschwindigkeit gewinnt. In sechs Minuten plus zwei kurze Pausen entscheidet sich alles. Madeline ist 22 und schnell. Zu schnell für alle in Deutschland, zu schnell für fast alle in Europa und der Welt in ihrer Gewichtsklasse.

In der Kampfsportart Taekwondo dominieren Fußtechniken. Madeline Folgmann von der TG Nettetal gehört dank ihrer Schnelligkeit und Dynamik zur Weltspitze in ihrer Gewichtsklasse.

Madelines Perspektive ist verheißungsvoll. Die Athletin fiebert auf ihre ersten Olympischen Spiele 2020 hin. Bis dahin möchte sie auch ihr Sportstudium in Köln und die Bachelorarbeit vorantreiben – gar nicht so einfach mit dem Alltag einer Leistungssportlerin. Die Sportstiftung NRW unterstützt sie dabei. Für uns hat sich Madeline Zeit genommen und spricht über Pünktlichkeit, Pfingsten und das Pokerface. Wir beeilen uns…

Nettetal oder Köln?

Madeline: Nettetal. Unsere Landluft ist besser. In stickigen Hallen verbringe ich schon genug Zeit und den Großstadttrubel mag ich nicht so.

Mensa oder selber kochen?

Madeline: Selber kochen. Mit einem Spaghettieis im Sommer oder mit Reibekuchen im Winter kriegt man mich rum.

Deine Horror-Disziplin im Studium?

Madeline: Hochsprung und Sprint. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe zu großen Respekt vor der Latte. Und bei der Eignungsprüfung hatte ich über die 100 Meter ein Defizit.

Deine Marotte?

Madeline: Mein Taekwondo-Anzug ist immer gebügelt. Mama hat mir beigebracht, immer ordentlich zu sein.

Dein schwarzer Gürtel?

Madeline: Den trage ich seit ich 15 bin. Vor dieser Prüfung hatte ich Angst. Ich kannte den Prüfer nicht und mein Partner war fremd. Feste Abläufe und Routinen sind mir wichtig. Ohne Zeitplan werde ich nervös. An Wettkampftagen muss ich zum Beispiel immer mein Müsli frühstücken und ich muss mich immer mit meinem Trainer aufwärmen. Ich kann es auch nicht ertragen, zu spät zu kommen.

Deine Tritthöhe?

Madeline: Mindestens 1,87 Meter. So groß ist jedenfalls mein Trainer Björn, den ich ausversehen mal mit dem Fuß an der Stirn getroffen habe. Er nahm es auf seine Kappe, dass er bei der Übung zu langsam reagiert hatte.

Das Pokerface?

Madeline: Finde ich im Taekwondo schon wichtig, sonst kann mein Gegner zu einfach lesen, ob ich möglicherweise eingeschüchtert bin. Ich würde aber eher sagen, dass ich einen konzentrierten Blick habe. Ich fokussiere mich vor dem Kampf auf mich selbst.

Dein Angstgegner?

Madeline: Den gibt es nicht. Gegen Asiatinnen ist es oft schwer, aber im Taekwondo ist jederzeit alles möglich. Ich bin tatsächlich eher ängstlich als zu selbstbewusst, arbeite aber seit ein paar Jahren mit einer Sportpsychologin daran, mich mehr auf das Gewinnen zu freuen, statt um das Verlieren zu sorgen.

Dein optimaler Kampf?

Madeline: Ich bin explosiv, mein Timing stimmt und ich treffe den Gegner im optimalen Winkel mit der flachen Sohle, so dass die Sensoren in seiner Weste auslösen.

Dein größtes Ärgernis?

Madeline: Wir müssen in Nettetal teilweise in einem ehemaligen Klassenzimmer trainieren. Dort hängt noch die Tafel, es ist nur eingeschränkt Platz und im Winter läuft keine Heizung.

Dein schönster Wettkampf?

Madeline: Der Grand Prix in Rom 2018. Die Arena ist überdacht, aber offen wie ein Tennisplatz. Die Stimmung war klasse und die Ränge voll – darauf freue ich mich in diesem Jahr über Pfingsten wieder.

Dein Ziel dort?

Madeline: Den ersten Kampf gewinnen. Mein Trainer hat mir beigebracht, immer von Kampf zu Kampf zu denken.

Deine Förderung von der Sportstiftung NRW?

Madeline: Die hilft mir, damit ich am Monatsende kein Minus mache. Ich finanziere damit zum Beispiel Wettkampfmaterial und Sportlernahrung. 

Achtung, lange Frage! Was ist schwieriger: der Spagat auf der Matte oder der Spagat zwischen Studium und Leistungssport?

Madeline: Den Spagat auf der Matte konnte ich schon früh. Ich habe zehn Jahre im Karnevalsverein „Maak Möt Brempt“ getanzt, auch als Funkenmariechen. Mein Studium würde ich gerne schneller vorantreiben. Die weiten Fahrten zum Training und die Reisen zu internationalen Wettkämpfen kosten jedoch viel Zeit. Im ersten Semester hatte ich meinen Stundenplan richtig vollgepackt, um am Ende festzustellen, dass das so nicht funktioniert. Ich bin jetzt im sechsten Semester. Nach den Olympischen Spielen 2024 will ich ins Arbeitsleben einsteigen.

Dein Berufswunsch?

Madeline: Ich möchte in den Bereich Reha-Orthopädie und dann zum Beispiel mit Hüft-Patienten das Laufen trainieren oder mit motivierten Sportlern arbeiten. Am liebsten eine Mischung aus beidem.

Danke, Madeline!