Die aktuelle Story

Die aktuelle Story

Auf einen Kaffee mit Heike Meier-Henkel

Mit 14 Jahren hatte Heike eigentlich keine Lust auf Leichtathletik. Dann gewann sie EM-, WM- und Olympia-Gold. Sie studierte Grafikdesign, fand ihre Erfüllung aber als Mentaltrainerin und als Botschafterin für Nachwuchstalente bei der Sportstiftung NRW: „Ich habe spät erkannt, was ich gut kann.“ In einer Kaffeepause haben wir mit ihr über die Sportblase, kleine Brötchen und große Erwartungen im Job gesprochen.

Heike-Meier-Henkel: "Als Leistungssportlerin lebte ich in einer Blase."

Heike, Du hast die goldenen Zeiten miterlebt, als Leichtathleten noch gut von ihrem Sport leben konnten. Wie ging es nach deiner Karriere weiter?

Heike Meier-Henkel: „Mir wurde während des Studiums schnell klar, dass ich nicht als Grafikdesignerin arbeiten werde. Ich hatte bereits als aktive Leichtathletin kontinuierlich Anfragen für Vorträge, zum Beispiel über Motivation oder mentale Stärke. Andere sind nach ihrer Sportkarriere in ein Loch gefallen. Man verliert die Lebensgrundlage ohne Plan B, wenn dann die Verträge mit Sponsoren und dem Verein plötzlich auslaufen.“

Warum warst Du besser auf diesen Umbruch vorbereitet?

Heike: „Ich hatte ein Jahr lang einen Nebenjob im Messedesign. Ich erledigte keine anspruchsvollen Aufgaben, aber die Arbeit tat mir gut. Das war einerseits mein mentaler Ausgleich zum Training und anderseits eine wichtige Erfahrung. Ich erkannte wie die Arbeitswelt tickt. Das da draußen war die reale Welt. Ich lebte als Leistungssportlerin in einer Blase. Vor allem lernte ich so auch Menschen kennen. Vieles funktioniert übers Netzwerken und den Austausch miteinander.“

„Ein Fehler, den viele machen: Solange sie nicht die ganze Strecke kennen, laufen sie nicht los. Aber für manche Vorhaben musst du in unbekanntes Gelände aufbrechen. Wie es hinter den Bergen aussieht, sieht man erst, wenn man auf dem Gipfel steht.“

Litt dein Training unter dem Job?

Heike: „Das Risiko ging ich ein. Ich trainierte nur noch einmal am Tag. Das genügte mir, fand ich heraus. Die längere Regenerationsphase zwischen zwei Einheiten kam mir entgegen. Damals bot mir niemand die Chance auf so etwas wie die Zwillingskarriere an, womit ich weder den Sport noch die Berufspraxis hätte vernachlässigen müssen.“

Du bist Mentaltrainerin. Wovor müssen sich Leistungssportler in Acht nehmen, wenn sie in die Berufswelt eintreten?

Heike: „Man darf nicht von sich erwarten, dass man auch im Job direkt wie eine Olympiasiegerin agiert. Keine übersteigerte Erwartungshaltung haben, sondern kleine Brötchen backen. Ich musste mir die Anerkennung im Beruf auch erst wieder erarbeiten. Eine Zwillingskarriere nimmt dir diesen Erwartungsdruck, weil du dich ja frühzeitig mit deiner beruflichen Zukunft auseinandersetzt. Aus einem ‚Ich kann‘ wird sonst mit fortschreitender Zeit ein ‚Ich muss‘.“

"Sei fair mit dir und passe deine Ziele an. Um sich zu entwickeln braucht es auch viele kleine Herausforderungen, die durchaus die Gefahr des Scheiterns enthalten dürfen. Es muss aber immer das Momentum der Erreichbarkeit geben.“

Was rätst du jungen Athleten, die zu wenig selbstbewusst an die Sache herangehen?

Heike: „Viele Sportler machen in Wettkampfsituationen und unter Druck intuitiv das Richtige, auch wenn sie nicht wissen warum. Das überträgt sich auf den Job. Ich glaube auch, dass Leistungssportler gute Teamleader sind. Sie haben gelernt, schnell mit Veränderungen und unterschiedlichen Bedingungen umzugehen – ich denke zum Beispiel an Segler oder Ruderer und natürlich an Athleten aus Mannschaftssportarten. Sportler nehmen gerne Herausforderungen an und sind unheimlich kreativ. Wenn der Fuß mal schmerzt, probieren sie neue Übungen aus, um trotzdem trainieren zu können."

„Mehr als die Hälfte meiner Wettkämpfe habe ich verloren oder habe nicht die Leistung gebracht, die erwartet werden konnte. Ich bin oft am meinen Erwartungen gescheitert, aber daran gewachsen. Rückwirkend kann ich sagen, dass echte Erfolgsmotivation verbunden mit einem gesunden Gespür für erreichbare Ziele eine Erfolgsformel sind. Niederlagen konnte ich wegstecken, da in mir immer die Vorstellung ruhte, dass ich auch gewinnen kann.

Vielen Dank, Heike, für das Gespräch!

Heike Meier-Henkel hat zusammen mit der Psychologin Anke Precht ein Buch geschrieben. In „Entfessle Dich“ (BusinessVillage, 2018) zeigen sie, wie das im Spitzensport etablierte Mentaltraining helfen kann, Ziele zu erreichen und langfristig gesund und belastbar zu bleiben. Heike: „Lies das Buch wie eine Schatzkiste. Viele Juwelen sind darin, und du darfst dir die herauspicken, die du gerade am besten gebrauchen kannst.“