Deutschlandstipenidum

Ein Deutschlandstipendium mit der Sportstiftung NRW

Wer studiert und im Bundeskader einer olympischen oder paralympischen Sportart ist, kann sich für ein Deutschlandstipendium bewerben. Das Förderprinzip ist simpel: Die Studierenden erhalten 300 Euro monatlich für die Dauer von mindestens einem Jahr (zwei Semester).

Die eine Hälfte des Betrags wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und die andere Hälfte von Partnern wie der Sportstiftung NRW. Das Deutschlandstipendium ist eine Ergänzung zum BAföG und muss nicht zurückgezahlt werden.

In der rechten Spalte findet ihr Partner-(Fach)Hochschulen der Sportstiftung NRW, wo bereits oder in Zukunft Deutschlanstipendien für Leistungssportler vergeben werden. Achtung! Die erforderlichen Bewerbungsunterlagen können sich je nach Standort unterscheiden. Unter Umständen gelten gesonderte Kriterien für Spitzensportler.

Allgemeine Informationen findet ihr unter www.deutschlandstipendium.de
Auch beim Olympiastützpunkt Rheinland als Partner der Sportstiftung NRW könnt ihr euch informieren.

Hürdensprinterin Djamila hat das Deutschlandstipendium

Die Hürden und die Hürden

Momentan sind es 14-mal rund zweieinhalb Meter. Anzahl und Länge ihrer Schritte entscheiden, wie schnell Djamila Böhm von einer Hürde zur nächsten gelangt. Die 24-jährige Studentin hat keine Zeit zu verlieren. Der Deutsche Meistertitel 2017 über die 400 Meter soll nicht ihr größter Erfolg bleiben.

Auf einer Stadionrunde muss die Sprinterin zehn Hürden bis zum Ziel überlaufen. Abseits der Tartanbahn stehen ihr noch einige mehr im Weg. Wie viele, das weiß niemand so genau. Auch die Anzahl der Runden, die Djamila noch drehen wird, ist unklar. Viele dieser Alltagshürden hat Djamila bereits aus eigener Kraft überwunden, manche gelingen jedoch nur mit Helfern. Doch egal, ob auf oder neben der Bahn, das Credo lautet immer: Bloß nicht den Schwung verlieren!

Djamila ist in einer Ein-Zimmerwohnung in Düsseldorf-Unterbilk zuhause. Hier beginnt ihr Kreislauf täglich aufs Neue. Zehn Minuten zur Halle, 20 Minuten zum Stadion oder 30 Minuten zur Uni nach Köln – mit ihrem Kleinwagen sammeln sich rasch Kilometer an. Die Leistungssportlerin vom ART Düsseldorf trainiert zweimal pro Tag über zwei bis drei Stunden. Dazwischen schreibt sie Hausarbeiten, bereitet Referate vor oder lernt für Klausuren. Der kurze Powernap, also die bewusste Erholungsphase, ist ebenfalls Pflichtprogramm, „damit die zweite Trainingseinheit am Nachmittag überhaupt Sinn ergibt“, erklärt sie. Dann muss der Kopf wieder frei sein. Ein mentales K.O. ist Gift für körperliche Höchstleistungen.

300 Euro pro Monat für mindestens zwei Semester

Donnerstags sitzt Djamila in Vorlesungen an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS). Eine Sportlerin unter vielen. Für ihre Uni ist sie jedoch besonders. Die DSHS hat 2018 acht Deutschlandstipendien an studierende Leistungssportler vergeben, darunter Djamila. Die Stipendiaten werden mindestens über zwei Semester mit jeweils 300 Euro monatlich unterstützt.

Die Sporthochschule praktiziert dies regelmäßig seit 2011. Ohne einen Partner funktioniert das Prinzip jedoch nicht. Für Djamila und ihre sieben auserwählten Kommilitonen ist dieser Partner die Sportstiftung NRW. Die Stiftung ist Co-Sponsor der Deutschlandstipendien. Sie finanziert 50 Prozent der Fördersumme, die andere Hälfte gibt der Bund an die Hochschulen. Die DSHS entscheidet dann, welcher studentische Bewerber den Zuschlag für ein Deutschlandstipendium erhält.

Sportstiftung investiert rund 100.000 Euro für 55 Deutschlandstipendien an 14 Standorten

Dieses Prinzip garantiert individuelle Förderung par excellence, weshalb die Sportstiftung künftig an 14 Hochschulen und Fachhochschulen in NRW insgesamt 55 Deutschlandstipendien für junge Leistungssportler mit Bundeskaderstatus unterstützt. In Summe eine Investition von rund 100.000 Euro.

„Ohne Geldgeber ist Leistungssport unmöglich“, sagt Djamila. „Das Deutschlandstipendium und die Basisförderung der Sportstiftung entlasten mich, machen die Planung einfacher.“ Der Leichtathletin ist wichtig, dass Aufwand und Ertrag in Einklang stehen: „Wenn ich meine Leistung nicht weiter verbessern könnte, wäre das ein Grund für mich mit dem Sport aufzuhören.“

In der Karriere-Zwickmühle

Wie viele andere Nachwuchsleistungssportler steckt die Hürdenläuferin in einer Zwickmühle. Die sportliche Karriere raubt der berufliche Karriere Zeit und umgekehrt. „Manchmal ist es schwer nach dem Training den Kopf frei zu bekommen, um noch notwendige Dinge für die Uni zu erledigen“, sagt Djamila. Mehrwöchige Praktika sind nicht möglich. „Momentan stelle ich alles dem Sport hintenan. Ich schiebe eher eine Klausur, als dass ich mit dem Training kürzertrete“, erklärt sie. Die Olympischen Spiele in Tokio 2020 sollen es sein. „Trotzdem will ich beruflich nicht den Anschluss verlieren, ein Bein in der Tür haben“, sagt sie.

Dass ihr dieser Spagat bislang gelingt, beweist die Wertschätzung ihr Leistungen durch das Deutschlandstipendium, das gute Studienleistungen voraussetzt. Djamila legte außerdem ein integratives Bachelorstudium, bestehend aus Politikwissenschaften, Soziologie, Medien- und Kommunikationswissenschaften, an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) in Düsseldorf ab - mit einem guten Zweier-Schnitt. Die HHU und die Sportstiftung NRW werden in Zukunft ebenfalls bezüglich der Deutschlandstipendien kooperieren.

Ins Ausland für Sport und Beruf

Djamila möchte Auslandskorrespondentin werden, für das Fernsehen arbeiten und über spannende Themen berichten, weil ihr das leicht von der Hand gehe, wie sie sagt. Wenn es der Trainings- und Studienplan erlaubt, ist Djamila als Reporterin für den Regionalteil des Kölner Stadtanzeigers im Einsatz. Zudem hat sie die Option, eine Zwillingskarriere mit Sportstiftung zu starten. Deren Community „Wirtschaft & Leistungssport“ ermöglicht es Athleten Berufspraxis zu sammeln, ohne ihren Sport vernachlässigen zu müssen.

Ins Ausland führen Djamila vorerst nur die Reisen ins Trainingslager oder zu Wettkämpfen. Im Frühjahr trainierte die Sportstudentin im mediterranen Klima Portugals, um sich auf den ersten Wettkampf in Belgien zu fokussieren. „Für Sprinter ist die Außentemperatur nicht unerheblich“, erklärt Djamila. „Bestimmte Leistungen lassen sich erst bei höheren Gradzahlen abrufen.“ Die Investition in ein Trainingslager ist zwar teuer, zahle sich aber in den meisten Fällen aus.

Auszahlen muss die Sportlerin ohnehin genug. Vor jeder Wettkampfreise wird abgewogen, ob das Stadion, die Organisation und nicht zuletzt das Starterfeld attraktiv genug sind, um dort möglichst viele Weltranglistenpunkte einzufahren. Die besten fünf Ergebnisse aus allen Wettkämpfen, fließen in die Wertung ein, die am Ende darüber entscheidet, wer 2020 in Tokio starten darf (berücksichtigt werden Zeiten, Platzierungen und Kategorie des Wettkampfs). Der Reiseaufwand wird dadurch größer. Die nächste Hürde muss genommen werden. Ohne Geldgeber geht es eben nicht.

 

Djamila Böhm ist in Köln geboren. Ihre Mutter ist Deutsche und arbeitet als Sonderpädagogin, ihr Vater stammt von der Elfenbeinküste. Mit 14 Jahren kam Djamila zur Leichtathletik, zuvor spielte sie Basketball. Mit 19 beendete sie zwischenzeitlich ihre Karriere. Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit bereitet ihr Probleme. Als sie diese mit Hilfe eines Heilpraktikers in Griff bekam, konnte sie erneut angreifen. 2016 wurde Djamila Deutsche Juniorenmeisterin über 400 Hürden, 2017 holte sie den Titel bei den Aktiven. Ihre persönliche Bestzeit stellte sie 2018 auf; ihre 56,54 Sekunden waren zugleich deutsche Jahresbestleistung. Die Olympischen Spiele in Tokio 2020 sind das nächste große Ziel, für das Djamila bei Leichtathletik-Meetings in Deutschland und Europa ab Mitte 2019 auf Punktejagd geht.