Deutschlandstipendium

Deutschlandstipendium aktuell - Start der Bewerbungsphase für 2020/21

©Foto: Jens Wenzel

An 18 Partnerhochschulen und -fachhochschulen der Sportstiftung können sich Bundeskaderathleten um eine monatliche Förderung in Höhe von 300 Euro für die Dauer eines Jahres bewerben. Die Bewerbungsphasen für den Förderzeitraum 2020/21 hat begonnen:

Ruhr Universität Bochum:
16. bis 30. März für aktuelle Stipendiaten,
31. März bis 18. Mai für Studierende und Studienwechsler,
1. bis 14. Juli für Abiturienten und Erstsemester
Universität Bonn: 15. April bis 5. Juni
FH Dortmund: 4. Mai bis 10. Juni
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: vsl. 11 bis 26. Mai
Hochschule Düsseldorf:
14. bis 24. Mai für aktuelle Stipendiaten
15. bis 30. Juni für Studierende und Studienwechsler mit Log-In-Daten
15. bis 30. August für Studienanfänger, Studienwechsler und Master-Studiengänge
Universität Münster: 18. Mai bis 16. Juni
Hochschule Bochum: 8. Juni bis 22. Juli, Erstsemester 15. Juli bis 31. August
Universität Duisburg-Essen: 15. Juni bis 8. Juli
Bergische Universität Wuppertal: 15. Juni bis 6. September
Heinrich-Heine Universität Düsseldorf: 1. Juli bis 31. August, Erstsemester bis 15. September
Rheinische Fachhochschule Köln: ab Juli/August
Deutsche Sporthochschule Köln: ab 1. Juli bis 15. August
Technische Hochschule Köln: 15. August bis 15. September
Hochschule Ruhr-West: 15. August bis 15. September
Universität zu Köln: 20. August bis 25. September
Technische Universität Dortmund: vsl. ab August/September
Universität Witten/Herdecke: vsl. im Sommer
Hochschule für Gesundheit Bochum: vsl. ab Oktober

Über das Deutschlandstipendium mit der Sportstiftung NRW

Wer studiert und im Bundeskader einer olympischen oder paralympischen Sportart ist, kann sich für ein Deutschlandstipendium bewerben. Das Förderprinzip ist simpel: Die Studierenden erhalten 300 Euro monatlich für die Dauer von mindestens einem Jahr (zwei Semester).

Die eine Hälfte des Betrags wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und die andere Hälfte von Partnern wie der Sportstiftung NRW. Das Deutschlandstipendium ist eine Ergänzung zum BAföG und muss nicht zurückgezahlt werden.

In der rechten Spalte findet ihr Partner-(Fach)Hochschulen der Sportstiftung NRW, wo bereits oder in Zukunft Deutschlanstipendien für Leistungssportler vergeben werden. Achtung! Die erforderlichen Bewerbungsunterlagen können sich je nach Standort unterscheiden. Unter Umständen gelten gesonderte Kriterien für Spitzensportler.

Für eine Partnerschaft mit der Sportstiftung NRW ist entscheidend, dass der Stipendiat oder die Stipendiatin seinen/ihren Trainings- oder Lebensmittelpunkt in NRW hat.

Allgemeine Informationen findet ihr unter www.deutschlandstipendium.de
Auch beim Olympiastützpunkt Rheinland als Partner der Sportstiftung NRW könnt ihr euch informieren.

Stipendienfeiern 2019/20

 

Hürdensprinterin Djamila hat das Deutschlandstipendium

Hürdenhelfer

14-mal rund zweieinhalb Meter. Die Anzahl und die Länge ihrer Schritte bestimmen, wie schnell Djamila von einer Hürde zur nächsten gelangt. Die 25-jährige Studentin hat keine Zeit zu verlieren. Der Deutsche Meistertitel im 400 Meter Hürdensprint soll nicht ihr größter Erfolg bleiben. auch beruflich hat die Leichtathletin ein klares Ziel vor Augen. Mit ihrem Deutschlandstipendium befindet sich Djamila auf der Überholspur.

Auf einer Stadionrunde muss Djamilia exakt zehn Hürden bis zur Ziellinie überlaufen. Nicht mehr, nicht weniger. Abseits der Tartanbahn begegnen ihr weitere Hürden. Mal mehr, mal weniger. Unklar ist auch die Anzahl der Runden, die Djamila noch drehen wird, bis sie angekommen ist. Viele dieser Alltagshürden hat sie bereits aus eigener Kraft überwunden. Manche kippen hingegen nur mit Unterstützung. Egal, ob auf oder neben der Bahn, das Credo lautet immer: Bloß nicht den Schwung verlieren!

Djamila ist in einer Ein-Zimmerwohnung in Düsseldorf-Unterbilk zuhause. Hier beginnt der Zyklus täglich aufs Neue. Zehn Minuten zur Halle, 20 Minuten zum Stadion, 30 Minuten zur Uni nach Köln – ihr Kleinwagen sammelt rasch Kilometer. Die Leistungssportlerin vom ART Düsseldorf trainiert zweimal pro Tag je zwei bis drei Stunden. Dazwischen schreibt sie Hausarbeiten, bereitet Referate vor oder lernt für Klausuren. Der kurze "Powernap" - das altbewährte ist Nickerchen - ist ebenso Pflichtprogramm, „damit die zweite Trainingseinheit am Nachmittag überhaupt Sinn ergibt“, erklärt sie. Der Kopf müsse frei und unbelastet sein. Ein mentales K.O. ist Gift für körperliche Höchstleistungen.

Zwölf Monate lang 300 Euro

In den Vorlesungen an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) ist Djamila eine Sportlerin unter vielen. Für ihre Uni ist sie jedoch besonders. Die DSHS hat ihr bereits zweimal ein Deutschlandstipendium verliehen. Als Stipendiatin wird Djamila zwei Semester lang mit 300 Euro pro Monat unterstützt. Ohne Partner funktioniert dieses Förderprinzip jedoch nicht. Für Djamila ist dieser Partner die Sportstiftung NRW. Sie finanziert 50 Prozent der Fördersumme. Die andere Hälfte gibt der Bund dazu. Die Hochschule entscheidet, welcher Bewerber den Zuschlag für ein Stipendium erhält. Die DSHS hat 2018 acht Deutschlandstipendien an studierende Leistungssportler vergeben, darunter Djamila.

Sportstiftung NRW ist Partner von bis zu 70 Deutschlandstipendien an 15 Hochschulstandorten

Dieses Prinzip garantiert individuelle Förderung par excellence, weshalb sich die Sportstiftung seit dem Wintersemester 2019/20 als Förderpartner von 49 Deutschlandstipendien für studierende Spitzenathleten an zwölf Universitäten und Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen engagiert.

Weitere zwölf Stipendien teilt sich die Sportstiftung mit Partnern aus ihrer Community "Wirtschaft & Leistungssport". Die gesamte Fördersumme beträgt 109.800 Euro.

„Ohne Geldgeber ist Leistungssport unmöglich“, sagt Djamila. „Das Deutschlandstipendium und die Basisförderung der Sportstiftung entlasten mich, machen die Planung einfacher.“ Der Leichtathletin ist wichtig, dass Aufwand und Ertrag in Einklang stehen: „Wenn ich meine Leistung nicht weiter verbessern könnte, wäre das ein Grund für mich mit dem Sport aufzuhören.“

Wege aus der Karriere-Zwickmühle

Wie viele andere Nachwuchstalente steckt die Hürdenläuferin dem Anschein nach in einer Zwickmühle. Die sportliche Karriere raubt der beruflichen Karriere Zeit und umgekehrt. Mehrwöchige Praktika seien selbst während der Semsterferien kaum möglich, erklärt Djamila. „Manchmal ist es schwer, nach dem Training den Kopf frei zu bekommen, um noch notwendige Dinge für die Uni zu erledigen“, sagt sie. Eigentlich habe der Sport momentan Vorrang. "Ich schiebe eher eine Klausur, als dass ich mit dem Training kürzertrete“, erklärt sie. "Meine Masterarbeit werde ich aber perspektivisch um ein Semester nach hinten schieben müssen. Ich hatte sie eigentlich für das Sommersemester 2021 geplant." In diesen Zeitraum wurden inzwischen die Olympischen Spiele in Tokio verschoben - Djamilas Traumziel. „Trotz allem will ich beruflich nicht den Anschluss verlieren, ein Bein in der Tür haben“, sagt sie.

Dass ihr dieser Spagat bislang gelingt, beweist auch das Deutschlandstipendium. Es setzt gute Studienleistungen voraus und ist somit eine Wertschätzung. Djamila hat bereits ein integratives Bachelorstudium an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf abgeschlossen, bestehend aus Politikwissenschaften, Soziologie, Medien- und Kommunikationswissenschaften - mit einem guten Zweier-Schnitt.

Zum Wintersemester 2019/20 wurde ihr Stipendium an der DSHS um ein Jahr verlängert. Neben der Sportstiftung NRW hat sie nun zusätzlich ein Düsseldorfer Unternehmen als Co-Förderer an ihrer Seite. Der Austausch mit Partnern aus dem praktischen Berufsleben kann mindestens genauso wertvoll sein wie die monetäre Unterstützung, weiß sie. Vom Stipendium zu einer Zwillingskarriere ist es nur ein kleiner Schritt. Die Zwillingskarriere ist ein von der Sportstiftung entwickeltes Projekt. Sie ermöglicht es Athleten, Berufspraxis in Wirtschaftsunternehmen zu sammeln, ohne ihren Sport vernachlässigen zu müssen.

Ins Ausland für Sport und Beruf

Djamila möchte Auslandskorrespondentin werden, für das Fernsehen arbeiten und über spannende Themen berichten. Das gehe ihr leicht von der Hand, sagt sie. Wenn es der Trainings- und Studienplan erlaubt, ist Djamila als Reporterin für den Regionalteil des Kölner Stadtanzeigers im Einsatz.

In fremde Länder führten sie bisher nur die Reisen ins Trainingslager oder zu Wettkämpfen. Das mediterrane Klima ist günstig während der kalten Monate in Deutschland. „Für Sprinter ist die Außentemperatur nicht unerheblich“, erklärt Djamila. „Bestimmte Leistungen lassen sich erst bei höheren Gradzahlen abrufen.“ Die Investition in ein Trainingslager ist zwar teuer, zahle sich aber in den meisten Fällen aus. Vor jeder Wettkampfreise wägt Djamila mit ihren Trainern ab, ob das Stadion, die Organisation und nicht zuletzt das Starterfeld attraktiv genug sind, um dort möglichst viele Weltranglistenpunkte einfahren zu können. Der Reiseaufwand wird dadurch größer. Die nächste Hürde muss genommen werden. Ohne Unterstützer geht das nicht.

 

Djamila Böhm ist in Köln geboren. Ihre Mutter ist Deutsche und arbeitet als Sonderpädagogin, ihr Vater stammt von der Elfenbeinküste. Mit 14 Jahren kam Djamila zur Leichtathletik, zuvor spielte sie Basketball. Mit 19 beendete sie zwischenzeitlich ihre Karriere. Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit bereitet ihr Probleme. Als sie diese mit Hilfe eines Heilpraktikers in Griff bekam, konnte sie erneut angreifen. 2016 wurde Djamila Deutsche Juniorenmeisterin über 400 Hürden, 2017 holte sie den Titel bei den Aktiven. Ihre persönliche Bestzeit stellte sie 2018 auf; ihre 56,54 Sekunden waren zugleich deutsche Jahresbestleistung. Die Olympischen Spiele in Tokio 2020 sind das nächste große Ziel, für das Djamila bei Leichtathletik-Meetings in Deutschland und Europa ab Mitte 2019 auf Punktejagd geht.