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Wem vertrauen, wenn nicht Mutter?

Muttertag? Muss nicht sein. „Zuletzt haben wir das gefeiert, als meine Töchter in der Grundschule waren“, sagt Susi Wollschläger. „Mit selbstgemalten Bildern und Kaffee am Bett.“ Pia, ihre jüngste Tochter, ist nun selber angehende Grundschullehrerin und trinkt den Kaffee selbst. Mutter Susi kann‘s verkraften. Etwas Entschleunigung am Sonntag tut gut, denn Freizeit ist für die erfolgreiche Trainerin und Mutter rar.

Susi Wollschläger mit Tochter Pia Maertens.

Mütter beschäftigen die Trainerin des Hockeyclub Raffelberg im Alltag mehr als ihr manchmal lieb ist. „Die Erwartungshaltung an die Trainer ist heutzutage hoch“, sagt Wollschläger. Hockey sei ein behüteter Sport. „Viele wollen intensiven Kontakt - das kann maximal anstrengend und zum Teil belastend sein, vor allem für jüngere Trainer.“

Im Grunde seien engagierte Eltern aber ein Luxusproblem. Als Teamplayer freut sie sich daran, wenn sich die Mütter und Väter ihrer Spielerinnen untereinander verstehen und eine große Clubfamilie bilden. Eine Familie, in welcher Susi Wollschläger am ehesten die Mutterrolle zufällt, auch wenn sie das eigentlich ablehnt. Seit über 20 Jahren ist sie Trainerin im Verein. „Fast alle Spielerinnen in unserem Bundesligateam sind durch meine Hand gegangen. Ich habe viele von klein auf begleitet“, sagt sie. Da verzeiht man mal einen Satz wie: „Du bist unsere zweite Mutter.“

Umso schwieriger ist es dann, die Balance zwischen dem mitfühlenden Kumpeltyp und der strengen, objektiven Trainerin zu wahren. Das hat mit Vertrauen zu tun. „Das haben alle Trainer nicht nur dann verdient, wenn es sportlich gut läuft“, wünscht sich Wollschläger. Wem vertrauen, wenn nicht Mutter?

 

Seoul, Barcelona, Atlanta – Susanne „Susi“ Wollschläger (55) stand bei drei Olympischen Turnieren im Tor der deutschen Hockeydamen. Ihre Silbermedaille von 1992 bewahrte die Duisburgerin zunächst jahrelang im Keller auf. Heute muss man gründlich suchen, um sie im Haus zu entdecken. „Nicht mal ein Einbrecher würde sie finden“, scherzt sie.

Ihre ganze Familie spielt Hockey. Tochter Pia Maertens (21) gehört aktuell zur Nationalmannschaft und schickt sich an, im Sommer 2021 an den Olympischen Spielen in Tokio teilzunehmen. Die Sportstiftung NRW unterstützt die Studentin der Uni Duisburg-Essen mit einem Deutschlandstipendium.