Aktuell

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"Athleten sind Menschen mit besonderen Fähigkeiten"

Mehr Athleten, mehr Unterstützer, mehr Möglichkeiten. Die Aufgaben der Sportstiftung NRW sind gewachsen. An der Schnittstelle zwischen Leistungssportlern und Wirtschaftspartnern gibt es jetzt Verstärkung. Haider Hassan ist als Referent für Athletenförderung zum Team gestoßen. Er entwickelt die Online-Sportlerbörse zu einem zentralen Zukunftsthema.

Haider Hassan (40) ist seit Mitte Mai als Referent für Athletenförderung im Team der Sportstiftung NRW.

"Gönn Dir das Ausprobieren, wenn es um die berufliche Karriere geht."

Gesprächsauftakt mit Deutschlandstipendien: Zum Wintersemester 2020/21 können Unternehmen NRW-Spitzensportler im Studium unterstützen. Kontakt: haider.hassan@sportstiftung-nrw.de, Tel. 0221 4982 6028

Mit über 400 olympischen und paralympischen Leistungssportlern ist das Perspektivteam NRW größer denn je. Auch die Community Wirtschaft & Leistungssport wächst. Zu dem Netzwerk gehören über 150 Unternehmen und Förderer, die Athleten bei einer Zwillingskarriere und mit Deutschlandstipendien unterstützen.

Haider Hassan arbeitet genau auf diesem Gebiet. Seit Mitte Mai ergänzt er das Team der Geschäftsstelle in Köln. Der 40-jährige diplomierte Betriebswirt übernimmt die  Referentenstelle für Athletenförderung. Wir haben unseren neuen Kollegen zu einem ersten Gespräch abgeholt.

 

Haider, Du bist seit einem Monat ein Teil der Sportstiftung NRW. Wie gefällt es Dir bei uns?

Haider Hassan: Das Team hat mich bei einem gemeinsamen Frühstück sehr herzlich willkommen geheißen. Das tat gut und diese Art Onboarding zeigt für mich auch das Besondere an der Sportstiftung NRW: Der Persönliche Zugang sticht heraus. Man hat das Wissen um die Bedürfnisse der geförderten Athleten, der Partner, aber auch der Kollegen. Wir differenzieren uns über die Art und Weise wie wir mit unseren Förderangeboten auf sie zugehen. Es ist ein vertrauensvolles Verhältnis. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren, das passt zu mir und meiner Arbeitsweise.

Du übernimmst eine eigens für Athlet*innen und Partnerunternehmen geschaffene Rolle. Wann kommst Du ins Spiel?

Haider: Als Referent für Athletenförderung bin ich Ansprechpartner für die berufliche Karriere, die bei uns ja Zwillingskarriere heißt, und für die Deutschlandstipendien. Und zwar sowohl für Athleten als auch für Unternehmen. Ich führe beide – über unsere Online-Sportlerbörse – zusammen und begleite sie auf ihrem gemeinsamen Weg. Den „Matching“-Prozess haben wir über diese Plattform digitalisiert und vereinfacht. Gemeinsam mit den Unternehmen arbeiten wir ein passgenaues, sportlerfreundliches Modell heraus

Corona führt uns gerade vor Augen, wie wichtig es ist, sich digital begegnen zu können. Die Online-Sportlerbörse kann ein Knotenpunkt für verschiedene Kommunikationswege werden. Dieser Entwicklungsprozess ist lebendig und sehr spannend. Wir wollen den digitalen Weg auf jeden Fall weitergehen.

Die Sportstiftung NRW füllt Lücken und baut Brücken. Was muss man dahinter verstehen?

Haider: Wir richten uns bewusst auch an Zielgruppen, die weniger beachtet werden, wie etwa die Nachwuchskader oder den paralympischen Sport. Hier schließen wir Lücken in der Förderstruktur. Brücken bauen wir in Richtung Zwillingskarriere zwischen Athleten, Unternehmen und der Gesellschaft.

Wir verstehen den Athleten dabei weniger als unterstützungsbedürftigen Menschen, sondern vielmehr als jemanden mit besonderen Fähigkeiten und mit Potenzial für Unternehmen.

Du hilfst Athlet*innen ihre berufliche Karriere erfolgreich anzupacken, sagst zugleich, dass sie sich nicht zu sehr unter Erfolgsdruck setzen sollten.

Haider: Ja, ich finde es wichtig, etwas auszuprobieren und sich nicht einzuengen. Ich habe zum Beispiel meinen ersten festen Job infolge eines Praktikums bekommen und blieb dort sieben Jahre. Wenn ich feststelle, dass eine Tätigkeit nicht das verspricht, was ich beruflich machen möchte, ist das jedoch auch eine wertvolle Erkenntnis. Hier darf man als Sportler mal nicht in den Kategorien Sieg oder Niederlage denken. Man gewinnt immer – mindestens an Erfahrung. Die Perspektive wird schärfer. Man entwickelt sich persönlich weiter und wird sich seinen Zielen und seiner Motivation bewusster. Ich sage deshalb: Gönn Dir das Ausprobieren!

Die Community Wirtschaft & Leistungssport umfasst mehr als 150 Unternehmen und Förderer, trotzdem ist eine persönliche Beziehung ausschlaggebend. Wie gelingt das?

Haider: Unsere Community ist bereits groß und jeder Partner verbindet eine eigene Geschichte mit der Sportstiftung NRW. Mein Ziel ist es, diesem Netzwerk mehr Struktur zu verleihen. Das betrifft vor allem die Kommunikation und die Beziehungspflege. Ich möchte regelmäßige Termine mit unseren Partnern, damit wir ihre Ziele in der Zusammenarbeit mit uns und den Athleten abstecken und später auch bewerten können. Dieser Austausch ist wichtig, um zu jeder Zeit bedarfsorientiert agieren oder reagieren zu können. Es bleibt aber ein Spagat zwischen mehr Struktur und der flexiblen, individuellen Lösung.

Es ergibt keinen Sinn, einen Athleten in ein strukturelles Korsett zu zwängen, das seine speziellen Bedürfnisse nicht berücksichtigt.

Ein anderes Netzwerk, unser Alumni-Kreis, befindet sich im Aufbau. Du hast darin bereits Erfahrung. Welchen Ansatz verfolgst Du?

Haider: Alumni sind ehemalige, geförderte Sportler, die eine Verbindung zur Sportstiftung über ihre Förderzeit hinaus aufgebaut haben. Das heißt, wir betrachten jeden Nachwuchsathleten, der zu uns kommt, auch als künftigen Alumni. Jeder berufstätige Alumni ist ein potenzieller, künftiger Mentor für nachfolgende Athleten. Übrigens: Den Übergang ins Berufsleben nach der Sportkarriere können wir beispielsweise mit einer befristeten finanziellen Förderung unterstützen.

Ich habe das Thema während meines Sportmanagement-Studiums kennengelernt. Anfang der 2000er Jahre gründeten wir an meiner Hochschule einen Alumni-Verein. Meine Kommilitonen und ich verstanden uns alle gut und hatten den Wunsch nach dem Studium privat und beruflich miteinander vernetzt zu bleiben. Es gelingt uns auch. Ein Alumni-Netzwerk hat den Vorteil, dass man einander gut kennt oder schnell in Kontakt kommt, um die Qualitäten der anderen weiß und dies auch im beruflichen Kontext hilft. Ohne Klüngelei. 

Die Studienzeit und gemeinsame emotionale Erlebnisse danach sind das verbindende Element. Dadurch entsteht ein Wir-Gefühl. Diesen Ansatz wollen wir auf die Sportstiftung NRW übertragen und dafür in Zukunft Angebote für unsere Athleten schaffen.

Welche weiteren Ziele hast Du Dir gesteckt?

Haider: Im Oktober beginnt das Wintersemester und ein neuer Förderzeitraum für die Deutschlandstipendien. Bundeskaderathleten können sich dafür bewerben und Unternehmen können an der Seite der Sportstiftung zu ihren Förderpartnern werden. Unser gerade veröffentlichter Wirkungsbericht ist ein erster toller Anlass, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

Kontakt:

Haider Hassan, Referent für Athletenförderung
haider.hassan(at)sportstiftung-nrw.de
Tel. 0221 4982 6028

Haider Hassan ist in der Welt des Sportbusiness zu Hause. Der gebürtige Freiburger und heutige Kölner war viele Jahre für die DFL Stiftung tätig. Ehrenamtlich engagiert er sich im Vorstand einer Kinderhilfsorganisation sowie eines Sportmanagement-Alumnivereins.