Die aktuelle Story

Die aktuelle Story: Stefan, der Ruderer

Stefan Wallat gehört zur Leichtgewichts-Nationalmannschaft des Deutschen Ruderverbandes. Vergangenes Jahr wurde der 28-Jährige Weltmeister im Achter – neben Studium und Job.

Bereits als Student der Energie- und Verfahrenstechnik hat Stefan Wallat bei MAN Diesel & Turbo gearbeitet. Nach seinem Masterabschluss wurde der Ruder-Weltmeister im Leichtgewichts-Achter als Trainee übernommen.

Bei den Olympischen Spielen Rio 2016 möchte Stefan Wallat (ganz rechts) gerne im Leichgewichts-Vierer starten. In Hamburg trainiert er unter Bundestrainer Karsten Timm für dieses Ziel.

 

Im Jahr 2008 konnte sich der Ruderer Stefan Wallat erstmals für Weltmeisterschaften qualifizieren. Der damals 21-Jährige startete im Zweier ohne Steuermann und wurde Sechster. Seitdem treibt der geborene Oberhausener seine berufliche und sportliche Karriere parallel mit sehr hohem Aufwand voran.

Auf die Zwillingskarriere der Sportstiftung NRW wurde er im Januar 2013 aufmerksam und traf sich mit den Wirtschaftsmentoren Manfred Remmel und Ernst Neumann in Köln zu einem Vorstellungsgespräch. Diese wiederum suchten ein Unternehmen, das zu dem Student der Energie- und Verfahrenstechnik passt. Schnell wurden die Mentoren mit dem Unternehmen "MAN Diesel & Turbo" in Oberhausen einig. So konnte Stefan Wallat von Oktober 2013 bis April 2014 parallel zum täglichen Training erfolgreich seine Masterarbeit in dem Unternehmen schreiben, welches Dampf- und Gasturbinen sowie Kompressoren für die Industrie fertigt. Nach dieser Zeit war er bei MAN Diesel & Turbo SE als Werksstudent beschäftigt, bevor man den Ruderer vom Duisburger Ruderverein am 1. Dezember 2014 mit einer Festanstellung endgültig fest an das Unternehmen gebunden hat.

"MAN passt wie der sprichwörtliche Topf auf den Deckel", schwärmt Wallat von seinem Unternehmen. "Auch jetzt als Trainee kann ich meine wöchentliche Arbeitszeit von 25 Stunden in Gleitzeit absolvieren." Zusätzliche Stunden für anstehende Trainingslager oder Regatten werden entweder vorgearbeitet oder nachgeholt. Ein Zustand, der dem amtierenden Weltmeister Planungssicherheit gibt und ihn weiter den Traum einer Olympiateilnahme in Rio 2016 träumen lässt.

Momentan gehört Stefan Wallat zum Athletenkreis von zehn bis zwölf Ruderern, die sich um die Plätze im olympischen Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann bewerben. Die ersten Meilensteine für das Unterfangen Rio 2016 hat der 28-Jährige dieses Jahr bereits gesetzt. Auf das zweiwöchige Verbandstrainingslager im italienischen Sabaudia folgte ein Trainingscamp zur Vorbereitung auf die Deutsche Kleinbootmeisterschaft in Brandenburg, die Wallat mit Tobias Franzmann auf Platz fünf im Leichtgewichts-Zweier abschloss.

Entscheidend dürfte aber die Wahl des zukünftigen Trainingsstandorts sein. Gemeinsam mit seinem Zweier-Partner Tobias Franzmann trainiert er zukünftig unter Bundestrainer Karsten Timm in Hamburg. Sein Heimtrainer Jochen Wittor ist mit der Entscheidung einverstanden: "Dort ist er einfach näher dran am Leichtgewichts-Nationalteam." Seit 2010 arbeiten Wittor und Wallat intensiv zusammen - Rio immer vor Augen. "Stefan arbeitet sehr akribisch auf seine Ziele hin und setzt seine Pläne konsequent um. Er geht niemals mit dem Kopf durch die Wand", sagt der Trainer und ist zuversichtlich.

Für den Standortwechsel hat Wallat auch die Rückendeckung seines Unternehmens. "Stefan kann während dieser Zeit in unserem Hamburger Dampfturbinen-Werk eingesetzt werden", erklärt Sophie von Saldern, Leiterin der Personalentwicklung und selbst ehemalige Spielerin der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Sie betreut den Spitzensportler als Mentorin im Unternehmen, unterstützt ihn generell, ist Ansprechpartnerin für alle Fragen und hilft ihm dabei, Sport und Job optimal zu koordinieren. "Wir sind stolz darauf, Stefans Karriere begleiten zu dürfen und freuen uns schon darauf, ihn vor dem Fernseher zur olympischen Medaille rudern zu sehen", sagt die 42-Jährige und lächelt verschmitzt.

Die Geschichte des Leichtgewichts-Weltmeister ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich Hochleistungssport und berufliche Karriereplanung miteinander vereinbaren und planen lassen. Hier greift ein Rad in das andere. Kein Wunder, dass beide Seiten bereits erklärt haben, die Zusammenarbeit auch über die sportliche Karriere hinaus weiter gestalten zu wollen.