Eliteschüler des Sports
Der Mittelstreckenläufer trainiert beim TSV Bayer 04 Leverkusen und besucht das Teilzeitinternat des Landrat-Lucas-Gymnasiums, eine Eliteschule des Sports.
Schembera ist ein Eliteschüler des Sports; er trainiert und lernt in Leverkusen. Er ist ein Athlet, der von der modernen Förderung im Leistungssport profitiert, für die sich die Sportstiftung NRW engagiert. „Robin ist ein großes Talent. Davon haben wir leider nur sehr wenige in Deutschland“, sagt sein Leverkusener Trainer Adi Zaar, der den jungen Läufer seit sechs Jahren betreut. So lange lebt der Sportler schon am Rhein.
Als Schembera 14 Jahre alt war, kam er wegen eines Berufswechsels seiner Mutter aus Halle an der Saale zum TSV Bayer 04 Leverkusen. Als die Mutter ein Jahr später zurück nach Sachsen-Anhalt ging, blieb der damals 15-Jährige allein zurück und bezog eine eigene Wohnung. Warum sollte er auch zurück nach Halle gehen? In Leverkusen fand er wunderbare Möglichkeiten vor, um seine sportlichen Ziele zu verwirklichen - ohne dabei die schulische Ausbildung zu vernachlässigen. Schembera besucht das Teilzeitinternat des Landrat-Lucas-Gymnasiums, eine Eliteschule des Sports, die mit dem TSV Bayer kooperiert. In der Schule hat Schembera alles, was er braucht: Es gibt sowohl Mittagessen als auch Hausaufgabenhilfe und bei Bedarf Nachhilfe-Unterricht. Er ist in der 13. Klasse, im nächsten Frühjahr wird er Abitur machen. „Es läuft alles wunderbar, in der Schule gibt es keine Probleme“, berichtet sein Trainer.
Der Stundenplan des Gymnasiums lässt sich mit den sportlichen Übungseinheiten vereinbaren. Und Schembera muss als Mittelstreckenläufer sehr viel trainieren. Im Wintertraining und in der Saisonvorbereitung sind es etwa sechs bis sieben Einheiten pro Woche, während der Saison fünf bis sechs. Pro Einheit fallen etwa 1,5 bis drei Stunden an. Dazu kommen die teilweise weiten Reisen zu den vielen Wettkämpfen. In den Herbstferien hat der Trainer dem Athleten aber eine Ruhepause verordnet. Schembera sonnt sich zurzeit in der Türkei und muss nicht trainieren. „Das muss auch mal sein. Körper und Geist müssen sich erholen“, sagt Zaar.
Zaar genießt die Zusammenarbeit mit dem Athleten. Denn er ist regelrecht begeistert von Schemberas Fähigkeiten: „Es war ein Geschenk des Himmels für mich als Trainer und für den Verein, dass so ein Talent plötzlich vor unserer Tür stand“, sagt der Bayer-Trainer. Der Athlet sei sehr zielstrebig und verfüge über die Gabe, ein Rennen zu lesen und sich in Position bringen zu können. „Er läuft offensiv, versteckt sich nicht und hat keine Angst vor großen Namen“, erzählt Zaar. Schembera kann sich durchsetzen und auch mal die Ellbogen einsetzen - was sehr wichtig sein kann in einem 800-Meter-Lauf.
Der Läufer selbst beschreibt seine Fähigkeiten der Renngestaltung so: „Ich stelle mir den Rennverlauf im Kopf vor. Wenn die Konzentration gar nicht stimmt, dann zwinge ich mich, an ein Rennen zu denken, indem ich die 800 Meter, die ich im Kopf durchgehe, mitstoppe. Dabei sollte dann eine Zeit in Nähe der Bestleistung herauskommen.“ Der ehrgeizige Athlet will nicht nur hierzulande, sondern auch international reüssieren. „Ich träume da nicht nur von internationalen Erfolgen, ich will das auf jeden Fall realisieren“, sagt Schembera. Auch über seine beruflichen Ziele hat er sich bereits Gedanken gemacht. Wahrscheinlich wird er zum Bundesgrenzschutz gehen.
Trösten kann sich Schembera vorerst damit, dass er, wenn alles gut läuft, noch viele Chancen bekommen wird, sich zu profilieren. Im nächsten Jahr finden die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin statt. „Unser Ziel ist es, das Halbfinale zu erreichen“, berichtet Zaar. „Und wenn noch etwas mehr drin wäre, würden wir uns freuen.“
Und auch seine olympischen Träume wird Schembera wohl verwirklichen können. Wenn im Jahr 2012 die Spiele in London zelebriert werden, wird Schembera erst 23 Jahre alt sein.
Redaktion: Kölner Stadtanzeiger 30.09.2008