Profil
Bilanz
Ziele
Statement
Kooperationspartner
News
Termine
Interview Manfred Speck

„Vom neuen Leistungssport in Nordrhein-Westfalen profitieren vor allem die jüngeren Athleten“

Als Sportdirektor im Bundesinnenministerium war er einst der ranghöchste Sportpolitiker. Heute ist er Staatssekretär a.D. und engagiert sich als Vorstandsvorsitzender der Sportstiftung NRW. Der gebürtige Neusser Manfred Speck spricht über eine der schönsten Aufgaben überhaupt: die Förderung junger Menschen.

 

Herr Speck, wie sind Sie in das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Sportstiftung NRW berufen worden?

 

Für dieses Ehrenamt werden Bewerber weder über eine Stellenausschreibung gesucht, noch vermittelt die Bundesagentur für Arbeit diesen Job. Ernsthaft: Mich hat Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gefragt, und ich habe zugesagt.

 

Was verbindet Sie mit dem Sport?

 

Meine Biografie belegt meine Nähe zum Sport. Ich war Sportdirektor im Bundesinnenministerium, ich habe in verschiedenen Funktionen im Deutschen Sportbund mitgewirkt, und ich stehe heute noch in Verantwortung beim Deutschen Olympischen Sportbund und beim Deutschen Schützenbund. Außerdem bin ich in das Kuratorium der Stiftung Sicherheit im Skisport berufen worden.

 

Was macht der Vorstandsvorsitzende der Sportstiftung NRW?

 

Es geht um die Förderung von Nachwuchs für den Leistungssport. Diese Prozesse moderiert der Vorstandsvorsitzende und gestaltet die Kriterien mit, nach denen die Förderung erfolgt bzw. Projekte ausgewählt werden, die sich für eine Unterstützung eignen. Dies alles geschieht in enger Abstimmung mit den Fachverbänden, ohne die eine erfolgreiche Arbeit nicht möglich ist.

 

Was motiviert Sie, diese arbeitsintensive Aufgabe als Vorstandsvorsitzender der Sportstiftung zu übernehmen?

 

Sich effektiv für die Jugend einsetzen zu dürfen, ist eine der schönsten Aufgaben überhaupt. Der Sport, insbesondere der Leistungssport, bildet junge Menschen zu charakterstarken Persönlichkeiten heran. Vor diesem Hintergrund spreche ich gern von einer dualen Karriere. Die Leistungseliten sind das Gold in der Gesellschaft.

 

Nordrhein-Westfalen unterhält als einziges Bundesland eine Sportstiftung. Warum verzichten die anderen Länder auf eine solche Einrichtung?

 

Richtig ist, dass die Sportstiftung NRW einzigartig ist. Warum andere diesem Beispiel bisher nicht gefolgt sind, weiß ich nicht.

 

Sie wissen aber, warum das Land Nordrhein-Westfalen eine Sportstiftung unterhält?

 

Das Land Nordrhein-Westfalen setzt auf Innovation und gehört längst zu den innovativsten Standorten in Deutschland. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht die Förderung der Leistungseliten und ihrer Innovationsorientierung. Für den Sport heißt das: Unsere Stiftung bietet dem Leistungssport die einzigartige Chance, neue Ideen und Initiativen zu entwickeln, diese zu testen und schließlich auch Innovationsprozesse in Gang zu setzen.

 

Ist das Projekt Momentum so eine Innovation? Sie versuchen die grundlagenorientierte Spitzenforschung mit der sportlichen Praxis zu verzahnen.

 

Fünf international renommierte Institute der Fachbereiche Biomechanik, Biochemie, Sportmedizin, Trainingswissenschaften und Sportpsychologietragen ihr Know-how und ihre Kapazitäten zusammen und öffnen sich den Anregungen, Nachfragen und Problemen der Trainingspraxis. Jeder Spitzenathlet muss zukünftig noch individueller betreut werden. Dabei ist die Wissenschaft. Ohne die enorme Anschubfinanzierung der Sportstiftung NRW und die Partner aus der Wirtschaft (ARAG, RWE, West LB, Toyota, IBM) würde es heute nicht das Deutsche Forschungszentrum für Leistungssport geben.

 

Allein aus den Erträgen des Stiftungskapitals, das bei 5,3 Millionen Euro liegt, können Sie diese und andere Förderungen nicht finanzieren. Woher kommt das Geld für die Stiftung?

 

Unsere Fördermittel beziehen wir zu einem prozentualen Anteil aus zweckgebunden zu verausgabenden Lotterieeinnahmen. Zur Zeit erhalten wir aus diesem Topf jährlich ca. 3,5 Mio.€. Da diese Gelder langfristig nicht ausreichen werden, um unserer Nachwuchselite ein optimales Umfeld zur Ausübung ihres Spitzensports zu ermöglichen, müssen wir zusätzliche Unterstützung aus der Wirtschaft einwerben. Dies muss sich nicht immer nur in Geld ausdrücken, sondern hier helfen auch Patenschaften, Bereitstellung von Netzwerken, sportfreundliche Ausbildungsplätze sowie eine berufliche Absicherung nach der Sportkarriere. Darüber hinaus muss aber auch der autonome Sport nach eigenen intelligenten Lösungsmöglichkeiten suchen. 

 

Zum Beispiel?

 

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass von jeder verkauften Eintrittskarte bei Sportveranstaltungen beispielsweise 50 Cent zur Förderung des Nachwuchsleistungssports verwendet werden. Ich möchte ein ganz einfaches System: Wie bei der Gema wird einmal jährlich überwiesen. Das ist kein großer Aufwand und wir hätten eine verlässliche zusätzliche Finanzquelle für die Nachwuchssportler zur Verfügung.

 

Warum sollten die Profivereine das Geld an die Sportstiftung NRW abführen?

 

Nur wer in die Nachwuchsförderung investiert, kann auch später auf junge

Talente bauen. Um die entdeckten und engagierten jungen Nachwuchstalente optimal fördern zu können, hat das Land Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren mit großem Aufwand die Rahmenbedingungen deutlich verbessert. Ich erwähne hier beispielsweise das Verbundsystem Schule/Leistungssport und die ca. 10 Sportinternate, die in den vergangenen acht Jahren in Nordrhein-Westfalen aufgebaut wurden. Von diesen verbesserten, sportartübergreifenden Umfeldbedingungen profitieren auch die Profivereine des Handballs, Fußballs, Eishockeys und Basketballs.

 

Welche Sportveranstaltungen sollen, wie von Ihnen vorgeschlagen, die 50 Cent je Eintrittskarte abführen?

 

Die Sportstiftung fördert ausschließlich olympische Sportarten, also können auch nur Veranstaltungen in diesen Sportarten zur Finanzierung herangezogen werden.

 

Wer müsste eine solche Regelung letztlich beschließen?

 

Die Umsetzung gelingt nur, wenn diese Art der Förderung in den Satzungen der Landesfachverbände verankert wird. Also: Die Fachverbände werden hierzu das letzte Wort haben. Deshalb möchte ich meinen Vorschlag auch mit den olympischen Fachverbänden und unseren Kooperationspartnern Innen- und Sportminister Nordrhein-Westfalen, LandesSportBund sowie den Olympiastützpunkten diskutieren.

 

Die Sportstiftung NRW gibt es seit nunmehr fast acht Jahren. Lassen sich die Erfolge der Sportstiftung NRW bereits in den Ergebnissen der Olympischen und Paralympischen Spiele von Peking 2008 ablesen?

 

Sicherlich hat auch die Sportstiftung NRW einen kleinen Beitrag zum Erfolg der NRW-Sportler beigetragen. Das Team aus Nordrhein-Westfalen war insgesamt sehr jung. 2/3 der 103 NRW-Athleten waren erstmals bei den Olympischen Spielen dabei. Ca. 30% der NRW-Athleten waren zudem noch keine 23 Jahre alt. Soweit ich dies einschätzen kann, hat es noch nie einen so hohen Prozentanteil an jungen NRW-Athleten bei Olympia gegeben. Obwohl die Förderung junger Athleten des Behindertensports erst seit dem Jahr 2004 systematisiert worden ist, stellen in den geförderten Sportarten Schwimmen und Leichtathletik die jungen Athleten der Jahrgänge 1985 und jünger bereits über die Hälfte der NRW-Mannschaft.

 

Worauf begründen Sie diesen Erfolg, gerade bei den jungen Athleten?

 

Die jungen Sportler profitieren eindeutig von den professionelleren Strukturen und der individuelleren Betreuung. Der Neue Leistungssport baut dabei auf vereins- und sportartübergreifende Modelle auf, die eine Vielzahl von Synergien ermöglichen und eine effizientere Förderung garantieren. Hier konnten wir mit über 100 neuen und hauptberuflichen Trainern in diesen regionalen Zentren des Nachwuchsleistungssports konkret weiterhelfen..

 

Und wie sehen Sie die Perspektiven für die nächsten Jahre, insbesondere London 2012?

 

Das Land Nordrhein-Westfalen war noch nie besser aufgestellt wie in der heutigen Zeit. Die Sportstiftungsinitiative „der Neue Leistungssport“ wird jetzt erst richtig greifen. Die Nachwuchselite aus Nordrhein-Westfalen trainiert vermehrt in den regionalen Zentren, die sich durch sehr gut geführte Vereine, herausragende Einrichtungen, hauptberufliche Fachkräfte, sportfreundliche Schulen und Ausbildungsplätze sowie ein großes Engagement der Kommunen und Städte auszeichnen. Darüber hinaus werden die neuen Wege der Wissenschaft und des Netzwerkes der drei NRW-Olympiastützpunkte für weitere positive Impulse sorgen. Darüber hinaus hat sich der LandesSportBund im Leistungssport neu aufgestellt und wirkt heute als Dachverband im Leistungssport in Nordrhein-Westfalen. Ich begrüße ausdrücklich das Kooperationsabkommen im Leistungssport, dass der Innenminister und der LandesSportBund mit der Stiftung vereinbart haben. Ich bin sicher, wir sind jetzt auf dem richtigen Weg zum Wohle und Erfolg unserer Leistungssportler!

 

Die Sportstiftung NRW spricht immer von einer Förderung „ganz nah am Athleten“. Kennen Sie bereits die neue Nachwuchsgeneration, die eventuell schon in London für Furore sorgen wird?

 

Es wäre vermessen schon jetzt zu sagen, dass das NRW-Olympiateam bereits heute schon vorhergesagt werden kann. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir bereits ca. 100 junge Athleten erfasst haben, die bisher noch nicht an Olympischen Spielen teilgenommen haben, aber in den nächsten vier Jahren sicherlich den Sprung in die internationale Klasse schaffen werden. Für uns geht um es die  15-23 jährigen Sportler. Sie brauchen eine spezielle Förderung.

 

Zur Person
Name: Manfred Speck
Staatssekretär a. D. - heute als Berater in der Kommunikation tätig.
1989 – 1991 Chef der Leitungsgruppe im Bundeskanzleramt, 1991 – 1998 Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung für innenpolitische Grundsatzfragen sowie enger Mitarbeiter der Bundesminister Dr. Rudolf Seiters und Manfred Kanther. Ehrenämter u.a.: Vorsitzender des Vorstandes der Sportstiftung NRW; Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Kunst und Kultur NRW; Mitglied der Unabhängigen Kommission für die Aufarbeitung der Stasivergangenheit des Deutschen Olypmpischen Sportbundes; Präsidialbeauftragter für Bildung und Wissenschaft des Deutschen Schützenbundes; Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Sicherheit im Skisport.

Geboren: 10. April 1946 in Neuss
Wohnort:
Bad Honnef
Hobby: Bergwandern, Skifahren

 [zurück]