Die aktuelle Story

Die aktuelle Story: Zehnkämpfer Ituah, der 8000-Punkte-Mann

Trotz seiner erst 19 Jahre ist Ituah Enahoro schon ganz schön rumgekommen in der Welt. Jetzt ist der talentierte Zehnkämpfer erst einmal im Sportinternat Knechtsteden heimisch geworden – und absolviert in Neuss beim Sportstiftungs-Partner medicoreha eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Aufhorchen ließ der Modellathlet dieses Jahr mit einer überragenden Leistung im Zehnkampf.

Beim Thorpe Cup im Rather Waldstadion in Düsseldorf knackte Ituah Enahoro erstmals die magischen 8000 Punkte im Zehnkampf.

Ob beim kraftvollen Anlauf in Richtung Weitsprunggrube oder beim Umgang mit Fachliteratur – Ituah Enahoro ist stets mit voller Konzentration bei der Sache. Foto: TSV Bayer Dormagen_medicoreha

Solch eine Bilanz schafft nicht jeder: 2015 gewann Ituah Enahoro die Silbermedaille im Stabhochsprung – bei den Afrikanischen Juniorenmeisterschaften im Trikot von Nigeria. 2016 gewann der 19-Jährige die Silbermedaille im Weitsprung – bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Trikot des TSV Bayer Dormagen.

Des Rätsels Lösung: Ituah Enahoro ist ein echter Kosmopolit. Vater Nigerianer, Mutter Deutsche, das erklärt die doppelte Staatsbürgerschaft und das doppelte Startrecht. „Meine Mutter ist Kinderpsychiaterin, und wir sind immer schon viel umgezogen“, sagt Enahoro. Nigeria, Teneriffa, Berlin, Den Haag, Aruba und zuletzt Apeldoorn sind die Stationen seines ungewöhnliches Lebensweges. Jetzt ist Ituah Enahoro, vorerst, sesshaft geworden.

Der 19-Jährige, geboren im belgischen Mortsel, lebt seit einem Jahr im Sportinternat Knechtsteden. Und versucht dort den Spagat zwischen Berufsausbildung und Leistungssport: An der medicoreha Welsink Akademie in Neuss absolviert er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. 

Sportleralltag: Bus, Bahn, Arbeit, Training

Morgens geht es mit Bus und Bahn nach Neuss, abends den gleichen Weg zurück. Mit einem Zwischenstopp am Dormagener Höhenberg, denn dort steht für ihn Leichtathletik-Training auf dem Programm. Ein vielseitiges, denn Enahoros Leidenschaft ist der Zehnkampf. Für den war er im vergangenen Jahr auch bei den Afrika-Meisterschaften gemeldet – doch weil sich zu wenige seiner Altersgenossen an die Königsdisziplin heranwagten, fiel der Zehnkampf aus. Ituah Enahoro disponierte um, startete stattdessen im Speerwerfen, mit dem Diskus und im Stabhochsprung, wo er mit (damaliger) persönlicher Besthöhe von 4,10 Meter Silber gewann.

Das Ende der Fahnenstange sieht er damit noch lange nicht erreicht. „Einmal den deutschen Adler auf dem Trikot tragen“: Das Ziel, das er so 2016 formulierte, hat er 2017 längst erreicht – dank harter Arbeit auf der Tartanbahn und im Hörsaal. Beim Thorpe Cup im Rather Waldstadion in Düsseldorf lief er mit dem Bundesadler auf der Brust auf. Hochmotiviert offensichtlich. In einem großartigen Wettkampf verbesserte er sechs seiner Bestleistungen, beginnend mit der im Weitsprung. Dort gelang ihm ein Satz auf 7,64 Meter. Die Euphorie setzte Enahoro in Energie um.

Vor dem großen Finale über 1500 Meter hatte er plötzlich die magische 8000-Punkte-Marke im Visier: „Wenn ich jetzt eine 4:32 Minuten laufe, kann ich es schaffen“, sagte Enahoro und trumpfte in 4:27,94 Minuten erneut groß auf. Kurzum: „Das war der bisher beste Wettkampf meines Lebens.“

Ehrgeizig auch abseits des Sportplatzes

Doch Ituahs Horizont ist nicht der Rand des Sportplatzes, auch beruflich hat er Ziele längst gesteckt. Dass er sich für die Laufbahn eines Physiotherapeuten entschieden hat, hat auch mit seinem Sport zu tun, mit dem er vor sechs Jahren in Apeldoorn begann: „In der Ausbildung lerne ich viel über den Körper", sagt Enahoro. Das helfe ihm auch, Verletzungen zu verstehen und diese mit seinen Physiotherapeuten im Training zu besprechen.

Ituah Enahoro ist nicht der erste von der Sportstiftung NRW unterstützte Leistungssportler bei der medicoreha: Allen voran sind die Ringerinnen Aline Focken und Laura Mertens zu nennen, die ebenfalls dort arbeiten oder gearbeitet haben. Was wohl mit dem besonderen Verhältnis von Sportlern zu ihrem Körper, aber auch mit der beruflichen Perspektive zu tun hat.

„Der Bedarf an Physiotherapie wird durch den demografischen Wandel dauerhaft steigen", sagt Holger Puchalla, Geschäftsführer der medicoreha Welsink Akademie, schon jetzt gäbe es einen Fachkräftemangel. Ituah Enahoro ist bemüht, dem abzuhelfen.