Die aktuelle Story

Die aktuelle Story: Annika, die Bobfahrerin

Die unglaubliche Geschichte von Annika Drazek klingt wie ein modernes Märchen – ein Wintermärchen. Sie nahm den ungewöhnlichen Weg von der Tartanbahn in den Eiskanal, vom Sprint zum Bobfahren.

Aufgrund ihrer sprintgestählten Beinmuskulatur ist Annika offensichtlich die geborene Tempomacherin am Start / Bild: picture alliance

Von der Leichtathletik zum Bobsport - Annika Drazek nimmt den ungewöhnlichen Weg von der Tartanbahn in den Eiskanal / Bild: Winkler

Jubel bei Annika Drazek: WM-Silber 2015 auf ihrer Hausbahn in Winterberg und damit Nominierung beim FELIX-Award 2015 als Newcomer des Jahres / Bild: VELTINS-EisArena

Sechs Monate später war sie bereits Vize-Weltmeisterin – als Anschieberin im Zweierbob. Vielleicht ist dies die schnellste Karriere in der Sportwelt – eine Karriere im Sprinttempo. Die Nominierung für den FELIX-Award 2015 als Newcomer des Jahres ist die logische Konsequenz.

Manchmal ist die Traumfabrik Hollywood plötzlich ganz real. Als vor 20 Jahren die Disney-Produktion „Cool Runnings“ die Geschichte von jamaikanischen Sprintern erzählte, die als erste Bobmannschaft des Landes bei Olympischen Winterspielen an den Start gingen, amüsierten sich Deutschlands Kinogänger über die Komödie. Annika Drazek aber machte ernst: Die Gladbeckerin, die zu den besten deutschen Nachwuchssprinterinnen (u.a. 7. Platz über 100m bei der U18-Weltmeisterschaft) zählte, ist in den Eiskanal gewechselt – und wurde nach nur drei gefahrenen Weltcup-Rennen für die Weltmeisterschaft im März 2015 nominiert. Auf ihrer Hausbahn in Winterberg krönte die 20-Jährige des BSC Winterberg ihre irre Erfolgsstory – Vize-Weltmeisterin. Ein raketenhafter Start in der neuen Sportkarriere – dank der enormen Schubkraft.

Annika Drazek ist aufgrund ihrer sprintgestählten Beinmuskulatur offensichtlich die geborene Tempomacherin am Start. „Mit Annika ist vieles einfacher geworden. Sie ist eine Weltklasse-Anschieberin“, lobte sie Pilotin Anja Schneiderheinze nach der gemeinsam errungenen Silbermedaille bei der Heim-WM. Weitere sportliche Großtaten der Gladbeckerin, die mit der Ausbildung bei der Bundespolizei den schwierigen Spagat zwischen sportlicher und beruflicher Karriere meistern muss, scheinen nur eine Frage der Zeit zu sein.

Doch wie fand eine erfolgreiche Sprinterin nach elf Jahren den Weg zum Wintersport? „Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren“, begründet die Athletin ihre damals überraschende Entscheidung. „Die Leichtathletik hat mir Spaß gemacht. Da mein Trainer Rainer Preute früher selber Leichtathlet und Bobfahrer war, hat er mich mit nach Winterberg genommen. Das Anschieben auf der Trainingsstrecke hat mir gleich Spaß gemacht – es ist total verrückt mit über 100 km/h die Bahn herunter zu donnern – krasser als jede Achterbahnfahrt“, sagt Drazek. Ob sie dabei an „Cool runnings“ dachte?

Eine weitere Siegchance bietet sich ihr am 11. Dezember - jenseits des Eiskanals. An diesem Tag werden die NRW-Sportler des Jahres beim FELIX-Award in der Mitsubishi Electric Hall in Düsseldorf geehrt - und Annika Drazek ist in der Kategorie Newcomer/-in des Jahres 2015 nominiert. Der Preis der Sportstiftung NRW wird von Heide Ecker-Rosendahl, Doppelolympiasiegerin von 1972 und stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der Sportstiftung NRW, überreicht. Vize-Weltmeisterin im ersten Jahr, erstmals nominiert für den Felix-Award. Mit Erfolgen im ersten Anlauf kennt sich Annika Drazek aus – ein gutes Omen?