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Von der Bühne ins Becken

Die Sportlerbörse war das Highlight des Captains Days 2017. Erneut waren zahlreiche Wirtschaftsvertreter auf Einladung der Sportstiftung NRW zur Wassersportmesse Boot nach Düsseldorf gekommen, um die sportliche Nachwuchselite des Landes unter die Lupe zu nehmen. Schließlich könnte ja der neue Top-Mitarbeiter dabei sein. Deutlich wurde vor allem wieder eines: der riesige Aufwand, den die jungen Sportler betreiben müssen.

Volles Haus beim Tageshighlight: Rund 20 NRW-Nachwuchsleistungssportler nutzten das Forum der Sportlerbörse auf dem Captains Day, die nach der erfolgreichen Erstauflage 2016 in diesem Jahr natürlich wieder stattfand.

Ute Schäfer, Vorsitzende des Vorstands der Sportstiftung NRW, warb in ihrem Grußwort für die Zwillingskarriere.

Solo für Linn: Wasserballerin Linn Freisewinkel durfte allein und vor Beginn der Sportlerbörse auf sich aufmerksam machen. Die 23 Jahre alte Wasserballerin musste schnell weiter ins benachbarte Rheinbad, wo sie mit ihrem Verein Blau-Weiß Bochum beim Pokal-Final-Four antreten musste. Zumindest sportlich lohnte sich die Hetze nicht wirklich: Bochum verlor das Halbfinale, das 4:9 gegen den hohen Favoriten SV Bayer Uerdingen war allerdings keine Schande.

Es war vielleicht die Szene des Captains Days 2017, die gleichermaßen sympathisch wie offensichtlich zeigte, was Nachwuchsleistungssportler täglich leisten. Für die 23 Jahre Wasserballerin Linn Freisewinkel vom SV Blau-Weiß Bochum wurde eigens der Programmablauf geändert, so dass ihre persönliche Selbstpräsentation bei der großen Sportlerbörse, die zum Abschluss der Veranstaltung angesetzt war, zu einem vorgezogenen Solo-Auftritt geriert.

Der Grund war einleuchtend: Linn musste früher gehen, weil sie mit ihrer Mannschaft im benachbarten Rheinbad beim Final-Four-Turnier um den Wasserball-Pokal der Damen antrat. Den Besuch des Captains Days im Rahmen der Wassersportmesse Boot verbunden mit der Chance, sich den wieder einmal sehr zahlreich gekommenen Wirtschaftsvertretern zu zeigen, wollte sie sich aber dennoch um keinen Preis nehmen lassen. Man stelle sich vor: Ein Fußballprofi von Borussia Dortmund besucht eine Stunde vor dem Pokalhalbfinale privat noch schnell ein Event ...

Einmal zeigen dürfen, was man leisten muss

Linn sprach jedenfalls aus, was alle der rund 20 Nachwuchsathleten eint, die bei der Sportlerbörse dabei waren. „Es ist schön, einem interessierten Publikum einmal zeigen zu dürfen, wie unser Alltag als Leistungssportler wirklich aussieht“, sagte sie mit Blick auf das oft verklärte Bild vom stets bejubelten Athleten, der mit seinem Sport viel Geld verdient. „Weil das nicht so ist, muss ich mir frühzeitig ein berufliches Standbein aufbauen. Die Sportlerbörse der Sportstiftung NRW ist eine tolle Idee und für mich eine Chance, Unternehmensvertreter direkt kennen zu lernen. Wann habe ich dazu schon einmal die Möglichkeit?“

Bereits das sechste Mal hatte die Sportstiftung NRW zum Captains Day gebeten – und sie durfte sich als Gast der Messe Düsseldorf wieder über ein tolles Ambiente und eine perfekte Organisation freuen. Nach dem großen Erfolg der ersten Sportlerbörse 2016, bei der rund 75 Prozent der teilnehmenden Athleten ein Partnerunternehmen fanden, folgte natürlich eine Neuauflage des Formats, das rund 100 geladene Gäste aus Wirtschaft und Sport auf die Boot lockte. Diese lauschten gespannt, als Werner M. Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf und Kuratoriumsmitglied der Sportstiftung NRW, die Teilnehmer mit launigen Worten begrüßte.

Ute Schäfer, Vorsitzende des Vorstands der Sportstiftung NRW, kam in ihren Eingangsworten direkt zur Sache: „Leistungssportler können für Ihr Unternehmen viel mehr wert sein“, sagte sie und führte sogleich das Tagesmotto ein, das sich wie ein roter Faden durch die Programmpunkte zog: „Leistungssportler – Viel! Mehr! Wert!“.

Bekannt ist, dass Leistungssportler dank ihrer im Sport erworbenen Soft Skills herausragende Mitarbeiter sein können. Das verdeutlichte Lauftrainer Andreas Butz, als Coach und Redner einer der gefragtesten Laufexperten in Deutschland, in seinem Impulsvortrag, in dem er sieben wesentliche Erfahrungen skizzierte, die Leistungssportler in ihrer Karriere machen. Doch der von der Sportstiftung NRW entwickelte Claim Viel!Mehr!Wert! geht sogar noch weiter, denn – so die These – junge Athleten können neben Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Disziplin, Durchsetzungsstärke und Zielorientierung noch weiteren Mehrwert ins Unternehmen tragen.

So ist es zum Beispiel naheliegend, einen Leistungssportler als Vorbild im betrieblichen Gesundheitsmanagement einzusetzen oder als Referent zu Themen wie Motivation oder Zeitmanagement in die interne Fortbildung zu integrieren.

Gesicht einer Kommunikationskampagne

Eine dritte Option, die bereits praxiserprobt ist, skizzierte Oskar Deecke, Olympiasieger, Welt- und Europameister im Hockey und CSR-Manager bei ThyssenKrupp. Er selbst wurde vor den Olympischen Spielen in Rio zur Hauptfigur der Marketingoffensive #tkgoesrio des Unternehmens, das in Brasilien rund 20.000 Mitarbeiter beschäftigt. Am Beispiel dieses Projektes zeigte er, wie die kommunikative Einbindung von Spitzensportlern im Unternehmen erfolgreich gelingen kann.

Durch die Brille eines Arbeitgebers, der junge Athleten beschäftigt, blickte Dr. Vera-Carina Elter, Bereichsvorstand Familienunternehmen beim Beratungsunternehmen KPMG in Düsseldorf. Ihr Unternehmen trägt der Tatsache Rechnung, dass die Zielgruppe Leistungssportler Flexibilität beim Berufseinstieg sowie Freistellungen für Wettkämpfe benötigt, um die berufliche Karriere schon während der Sportkarriere vorzubereiten.

Um diese sogenannten High Potentials für sich gewinnen zu können, hat sich KPMG intensiv mit möglichen Fallstricken beschäftigt. Und das Unternehmen hat Lösungen gefunden, beispielsweise in Sachen Präsenzkultur, wo psychologische Störfaktoren wie die gefühlte Ungleichbehandlung durch eine scheinbare Bevorteilung eines Leistungssportlers, der aus Trainingsgründen häufig nicht anwesend ist, eine Rolle spielen. Hier gelte es, durch rechtzeitige und fortlaufende interne Kommunikation möglichst viel Transparenz und Aufklärungsarbeit zu leisten, sagte Elter.

Welchen Sportler hätten's denn gern?

Nach so vielen positiven Vorreden war die Neugier der Wirtschaftsvertreter auf die rund 20 Kandidaten der Sportlerbörse natürlich besonders groß. Frei nach „Was bin ich“ hieß es dann  „Welchen Athleten hätten’s denn gern?“. Im kurzen Zwiegespräch mit Moderator Arnd Schmitt konnten die Sportler einen Einblick in ihre Vita und natürlich ihre beruflichen Ziele geben.

Unmittelbar nach dem Bühnenauftritt mischten sich die Sportler unters Wirtschaftsvolk, um Kontakte zu knüpfen. So tauschten unzählige Visitenkarten die Besitzer und zahlreiche Folgegespräche wurden vereinbart – so soll es sein. Mit Sicherheit auch 2018 wieder auf der Boot. Werner M. Dornscheidt hat die Zusage schon anklingen lassen.

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