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"Nachwuchsleistungssport profitiert von der Sportstiftung NRW"

NRW-Sportministerin Christina Kampmann verrät im Interview, welche Themen der Leistungssportförderung in NRW ihr besonders wichtig sind, warum die Trainer noch stärker in den Fokus rücken müssen und warum sie die Sportstiftung NRW für einzigartig hält.

Die Miniterin lobt: "Die Sportstiftung NRW hat sich seit ihrer Gründung zu einer echten Instanz in der Förderung des olympischen und paralympischen Leistungssports entwickelt." Fotos (3): MFKJKS-NRW / Catrin Moritz

Frau Ministerin Kampmann, NRW gilt als Sportland Nummer eins in Deutschland und stellt traditionell die meisten Sportler des Olympiakaders – so war es auch in Rio. Was bedeutet Ihnen das?
Das zeigt, dass wir mit der Förderung von leistungssportlichen Talenten in Nordrhein-Westfalen auf dem richtigen Weg sind. NRW stellt traditionell übrigens nicht nur die meisten Sportlerinnen und Sportler des deutschen Olympia- und Paralympics-Teams, in Rio war NRW mit rund 45 Prozent aller deutschen Medaillen auch das erfolgreichste Bundesland. Darauf können die Athletinnen und Athleten und alle, die sich für den Leistungssport in unserem Land engagieren, stolz sein. Als „Sportland Nummer eins“ fördern wir den Sport in seiner ganzen Breite. Wir unterstützen den Sport im Kindergarten und im Ganztag. Den sportlichen Nachwuchs können wir an den inzwischen 18 NRW-Sportschulen und den zahlreichen weiteren Schulen des Verbundsystems im Rahmen einer Dualen Karriereplanung begleiten.

Viele Bundesländer beneiden NRW um die von der Sportstiftung NRW entwickelten Förderstrukturen. Stimmen Sie zu, dass NRW bundesweit Maßstäbe in Sachen olympischer und paralympischer Nachwuchsförderung setzt?
Die Sportstiftung NRW hat sich seit ihrer Gründung zu einer echten Instanz in der Förderung des olympischen und paralympischen Leistungssports entwickelt. Das macht sie einmalig. Andere Bundesländer blicken daher durchaus auf Nordrhein-Westfalen und auf die Förderinstrumente und -strukturen, mit denen wir die Karrieren unserer hochtalentierten Sportlerinnen und Sportler unterstützen.

Die Gründung der Sportstiftung NRW war ein klares Signal zur Förderung des Nachwuchsleistungssports. Welches Versprechen können Sie heute geben, damit wir ein noch nachahmenswerteres Vorbild für andere Bundesländer werden?
Lassen Sie es mich so formulieren: Es ist Aufgabe unserer Gesellschaft, Verantwortung für diejenigen zu übernehmen, die im Sinne der Gemeinschaft Spitzenleistung erbringen. Wir haben deshalb die Pflicht, jungen Menschen, die sich für den Leistungssport entscheiden und sportliche Höchstleistungen erbringen, Unterstützung zukommen zu lassen. Wir müssen ihnen während und nach dem Sport Möglichkeiten bieten, die ihnen den späteren Einstieg in eine berufliche Zukunft erleichtern. Wir werden auch in Zukunft alles tun, damit dieser Weg erfolgreich weiter gegangen werden kann. Hierzu trägt die Sportstiftung NRW ganz wesentlich bei.

Inwiefern profitiert der Nachwuchssport in NRW Ihrer Meinung nach von der Sportstiftung NRW?
Der Nachwuchsleistungssport profitiert umfassend von den vielen Initiativen der Sportstiftung NRW, denn das Aufgabenspektrum der Stiftung reicht von der Personalkostenförderung, zum Beispiel für pädagogisches Personal in den Internaten sowie für Trainerinnen und Trainer im Nachwuchs- und Spitzenbereich, bis zur individuellen Förderung junger Athletinnen und Athleten. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Unterstützung von Athletinnen und Athleten bei der Schaffung beruflicher Perspektiven. Zusammen mit Partnern aus der Wirtschaft hat die Sportstiftung Strategien zur Karrieregestaltung von Sportlerinnen und Sportler entwickelt. Dieses Gesamtpaket, verbunden mit dem in Nordrhein-Westfalen gut funktionierenden Verbundsystem von Schule und Leistungssport mit den NRW-Sportschulen an der Spitze, prägt den Nachwuchsleistungssport in NRW.

Die starken Partner im NRW-Sport haben mit dem Leistungssportkonzept 2020 neue Maßstäbe in der Nachwuchsförderung gesetzt. Was erscheint Ihnen besonders wichtig?
Die Kooperationspartner Sportministerium, Landessportbund NRW, Sportstiftung NRW und NRW-Olympiastützpunkte haben im Jahr 2009 das „Leistungssportprogramm 2020 – Förderung von Eliten und Nachwuchs in NRW“ entwickelt. Dieses Programm beschreibt die Ziele, Aufgaben und Themen der Leistungssportförderung in NRW. Besonders hervorzuheben ist sicherlich das Verbundsystem Schule/Leistungssport, denn die Kooperation der Einrichtungen des Bildungs- und Schulsystems mit den leistungssporttreibenden Stützpunkten und Vereinen ist für die Zukunft des Spitzensports von entscheidender Bedeutung. Die Weichenstellung erfolgt während der Schulzeit. Hier sind besondere Anstrengungen notwendig. Wir haben dazu Schulen des sogenannten Verbundsystems Schule und Leistungssport in Nordrhein-Westfalen aufgebaut. Dort gibt es die besten Chancen, die schulische und sportliche Ausbildung miteinander zu verbinden. Im Mittelpunkt stehen für uns die 18 NRW-Sportschulen, die im ganzen Land verteilt sind. Sie bieten fünf Stunden Sportunterricht pro Woche und fördern junge Talente optimal. Darüber hinaus wollen wir die Zusammenarbeit der NRW-Sportschulen mit den Grundschulen noch weiter stärken, um diese Potenziale effizienter zu nutzen. Die Sicherung hauptberuflicher Trainerstellen ist durch die sukzessive Einführung von unbefristeten Arbeitsverträgen auf den Weg gebracht. Ebenso haben wir im Kuratorium der Sportstiftung vor geraumer Zeit eine Erhöhung der Trainergehälter beschlossen und auch umgesetzt. Eines ist wesentlich: Die Aus- und Fortbildung der Trainerinnen und Trainer muss den höchsten wissenschaftlichen und praktischen Standards entsprechen und ihnen eine vielseitige berufliche Verwendung ermöglichen.

Das Engagement der Sportstiftung NRW geht, wie angedeutet, über eine rein finanzielle Unterstützung von Athleten hinaus. So hat die Sportstiftung NRW mit der Sportlerbörse auf dem alljährlichen Captains Day im Rahmen der Messe Boot ein Spielfeld entwickelt, auf dem aktive Sportler und Wirtschaftsvertreter zusammenfinden, um berufliche Perspektive auszuloten. Wie wichtig und sinnvoll sind Ihrer Meinung nach solche Initiativen?
Wie schon erläutert ist für uns die Absicherung der Dualen Karriere besonders wichtig. Da die meisten Athletinnen und Athleten durch ihre sportlichen Erfolge keine ausreichende finanzielle Absicherung für die Zeit nach dem Leistungssport haben, ist eine gute Ausbildung oder die Sicherung eines Arbeitsplatzes von entscheidender Bedeutung – auch, um den vorzeitigen Abbruch einer Leistungssportkarriere zu verhindern. Die Sportstiftung NRW unterstützt systematisch heranwachsende Leistungssportlerinnen und Leistungssportler in bislang bundesweit einmaliger Weise dabei, den enormen Trainingsaufwand und eine berufliche Ausbildung in Einklang zu bringen. Durch das gezielte Engagement können junge Menschen ihren ganz persönlichen Traum als Leistungssportler oder Leistungssportlerin leben, ohne dabei Gefahr zu laufen, die schulische und berufliche Bildung zu vernachlässigen.

150 hauptberufliche Arbeitskräfte, vornehmlich Trainer und Internatspädagogen, aber auch Experten für Athletik hängen finanziell am Tropf der Sportstiftung NRW. Wir tragen somit große Verantwortung für diese Menschen und Ihre Familien. Daher der Blick in die Zukunft: Wie geht es weiter mit der Finanzierung über den Pakt für den Sport?
Die weitere Finanzierung der Sportstiftung NRW ist nicht erfolgsabhängig, sondern durch den „Pakt für den Sport“ zunächst bis 2017 gesichert. Grundsätzlich ist es natürlich verständlich, dass der Sport in NRW auch darüber hinaus Planungssicherheit haben möchte. Die Landesregierung wird hierüber in Ruhe beraten und sicher eine gute Lösung finden.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière fordert vom deutschen Sport mehr Erfolge, konkret: ein Drittel mehr Medaillen. Ist das auch der Ansatz für NRW? Oder wäre es Ihnen lieber, 30 Prozent aller Olympiateilnehmer kämen künftig von Rhein, Ruhr und Sieg?
Wir haben ein klares Ziel formuliert. Bei internationalen Wettkampfhöhepunkten sollen nordrhein-westfälische Athletinnen und Athleten mindestens einen der Bevölkerung entsprechenden Anteil an den deutschen Nationalmannschaften stellen und einen entsprechend hohen Prozentsatz an der jeweiligen Erfolgsbilanz aufweisen. Dieses Ziel ist in vielen Sportarten erreicht. Es müssen aber zusätzliche Anstrengungen unternommen werden, um den derzeitigen Leistungsstand national abzusichern und international Anschluss zu finden. Hier sind wir auf einem sehr guten Weg.