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"Ich will mich noch einige Jahre kraftvoll für den Sport einsetzen"

GASTBEITRAG: Heute, am 2. April, feiert Walter Schneeloch seinen 70. Geburtstag. Und vor 70 Jahren wurde auch der Landessportbund NRW gegründet. Wie kaum ein Zweiter in unserem Land verfügt der LSB-Präsident und Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) über einen sport(politischen) Erfahrungsschatz, der ihn zu einem gefragten Mann macht.

Runde Sache: LSB-Präsident Walter Schneeloch wird 70 Jahre alt. (Foto: Andrea Bowinkelmann)

Ein runder Geburtstag – da heißt es erst einmal „Herzlichen Glückwunsch“ sagen. Solche Geburtstage stellen ja oft eine Zäsur dar. Ist der 70. für Sie so ein besonderer Moment?

Für mich fühlt es sich nicht wie eine Zäsur an, denn ich möchte mich gerne noch einige Jahre mit voller Kraft für den Sport einsetzen. Irgendwann ist aber natürlich der Moment erreicht, an dem ich ans Aufhören und ans Abschied nehmen von den Ehrenämtern denken werde. Man muss auch klar wissen, wann dieser Punkt erreicht ist. Ich möchte auf keinen Fall an Ämtern kleben bleiben.

Die Teilnahme an dem Flüchtlingsgipfel 2016 in Berlin zeigt, wie wichtig Ihnen gesellschaftspolitisches Engagement ist…

Der Sport ist integraler Bestandteil der Gesellschaft und er steht ständig vor neuen Herausforderungen. Manchmal habe ich die Sorge, dass die Vereine überfrachtet werden von gesellschaftlichen Anforderungen. „Vergessen die Vereine den Sport?“ – diese Frage stelle ich mir schon. Denn die Kernaufgabe der Vereine ist es, Sport und sportlichen Wettkampf zu vermitteln, zu organisieren – und zwar für Menschen in jedem Alter. Aber nehmen wir andererseits das Thema „Gesundheit“: Ein Drittel aller Sportvereine macht gesundheitlich orientierte Bewegungsangebote. Damit übernehmen sie eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe: die Gesunderhaltung der Bevölkerung. Gleiches gilt z. B. für „Integration". Aus diesem Spagat kommt der Sport nicht heraus.

Eine Zerreißprobe für die Vereine?

Nein, das glaube ich nicht. Jeder Sportverein muss für sich selbst beantworten, welche Schwerpunktaufgaben er übernehmen will und kann. Denn die personellen und finanziellen Ressourcen sind begrenzt. Die Vereine sind demokratische Gebilde, deshalb haben sie die absolute Entscheidungsfreiheit. Der Landessportbund gibt dabei gerne Unterstützung.

Bekommt man als Präsident eigentlich noch mit, was an der Basis geschieht?

Es gibt den Vorwurf, dass hohe Funktionsträger gar nicht mehr wahrnehmen, was „unten“ los ist. Da will ich gar nicht drum herum reden. Gerade wenn Veränderungsprozesse anstehen, kommt immer wieder die Anklage: „Ihr da oben – wir hier unten“. Ich kann nur betonen, wie wichtig es mir ist, dass von vornherein alle miteingebunden sind und dass wir uns möglichst basisnah ausrichten. Wir sagen immer, dass der Sport von den Vereinen getragen wird. Es kann nur unsere Aufgabe sein, dafür die besten Voraussetzungen zu schaffen. Persönlich gesprochen: Ich bin natürlich zeitlich enorm eingespannt. Ich habe manchmal ein Wochenpensum von 50 bis 70 Stunden. Anfang März war ich z. B. innerhalb von einer Woche zweimal in Berlin, dann in Kiel und wieder zurück in der Heimat. Da auch immer das Ohr für die Basis zu haben, das ist auch ein Spagat.

Sie haben auf der LSB-Mitgliederversammlung im Februar – gefühlt – eine Grundsatzrede gehalten. Sie sagten, dass die Negativentwicklungen im Sport (z. B. Bestechung, Kommerzialisierung) nicht auf das positive Image des Vereinssports abfärben dürfen …

Mir könnte es ja egal sein, wenn gesagt würde: „Lass die da oben doch machen, was sie wollen“. Aber die Gefahr ist wirklich groß, dass der Sport insgesamt unter Generalverdacht gestellt wird. Dem versuchen wir als LSB entgegenzuwirken. Wir machen uns z. B. im Rahmen unserer Good Governance-Politik transparent und sind dafür ja auch schon ausgezeichnet worden. Der internationale Sport ist wirklich in der Krise: Man sieht es doch an den Olympischen und Paralympischen Spielen, dass es doch kaum noch Bewerbungen gibt. Wir brauchen weitreichende Reformen, die konsequent umgesetzt werden.