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„Die Sportstiftung NRW ist bundesweit einzigartig“

Seit Anfang April ist Ute Schäfer Vorsitzende des Vorstands der Sportstiftung NRW. Zum Antrittsbesuch schaut sie in der Geschäftsstelle der Stiftung in Köln vorbei. Im Gespräch schildert sie, wie sie ihre neue Rolle mit Leben füllen möchte und welche Ziele sie mit der Sportstiftung NRW verfolgt.

Frau Schäfer, freuen Sie sich auf Ihre neuen Aufgaben als Vorsitzende des Vorstands der Sportstiftung NRW?
Ja, sehr. Schließlich darf ich eine gute Tradition fortführen. Die Sportstiftung gibt es ja bereits seit mehr als 15 Jahren. Meine Vorgänger haben sehr erfolgreich, engagiert und couragiert gearbeitet und sich für den Nachwuchsleistungssport eingesetzt. Daran möchte ich anknüpfen.

Seit ebenfalls mehr als 15 Jahren sitzen sie im Düsseldorfer Landtag, und zwischen 2010 und 2015 waren Sie NRW-Sportministerin. Glauben Sie, dass Ihnen Ihre große politische Erfahrung im neuen Amt helfen wird?
Ein Nachteil ist sie sicherlich nicht (lacht). Als Politikerin habe ich gelernt, strategisch zu denken und in richtigen Momenten die Initiative zu ergreifen, umzusetzen und nachzuverfolgen. Ich glaube, dass diese Qualitäten auch für die Sportstiftung NRW von Vorteil sein. Gerade mit Blick auf die wichtigen Netzwerkaufgaben für die Sportstiftung NRW sollte das hilfreich sein.

Sie haben frühzeitig Ihr Interesse an der aktiven Mitarbeit bei der Sportstiftung NRW kundgetan. Was hat Sie gereizt?
Die Sportstiftung NRW ist meines Erachtens ein unverzichtbarer Unterstützer der Nachwuchsförderung im NRW-Leistungssport. Sie trägt konkret dazu bei, dass junge Talente im Leistungssport ihre Chancen bekommen. Das ist eine großartige Aufgabe.

Braucht es dazu bestimmte Rahmenbedingungen?
Als Sportstiftung NRW können wir künftig umso erfolgreicher sein, je besser wir mit den Partnern des Leistungssports zusammenarbeiten – also Sportministerium NRW, Landessportbund NRW und Olympiastützpunkte NRW. Mit dem Förderkonzept Leistungssport 2020 haben wir gemeinsam eine hervorragende Basis geschaffen. Das Programm grenzt Aufgaben und Zuständigkeiten ab, lässt aber zugleich die Kooperation aller für das gemeinsame Ziel zu, was Reibungsverluste vermeidet. Entscheidend ist für mich, dass nun jede Institution ihr Profil wahrt und sich um ihre Aufgaben kümmert.

Und welche Rolle schreiben Sie der Sportstiftung NRW im Konzert der Partner des Leistungssports in Nordrhein-Westfalen genau zu?
Hauptaufgabe der Sportstiftung NRW ist es, Nachwuchssportler im Übergangsbereich vom Landes- zum Bundeskader zu unterstützen. Sei es durch eine direkte Förderung oder – mittelbar – etwa durch die Finanzierung von Trainerstellen. In dieser Form ist sie bundesweit einzigartig, und sie arbeitet sehr erfolgreich.

Die Initiativen der Sportstiftung NRW reichen inzwischen über die finanzielle Förderung hinaus. Beispielsweise unterstützt sie im Zuge der „Zwillingskarriere“, einem Baustein der Dualen Karriere im Sport, junge Athleten dabei, schon während ihrer aktiven Laufbahn Berufspraxis zu sammeln. Der richtige Weg?
Absolut, diese Ansätze sind sehr wichtig. Denn die wenigsten Athleten können von ihrem Sport leben, geschweige denn finanziell für die Zeit nach der Karriere vorsorgen. Deswegen liegt mir die Weiterentwicklung der „Zwillingskarriere“ besonders am Herzen. Sie bietet den Sportlern, entsprechende Eigeninitiative vorausgesetzt, die Chance eines fließenden Übergangs vom Leistungssport ins Berufsleben. Die Sportstiftung NRW hat hierzu ein großes Netzwerk mit starken Partnern aus der Wirtschaft geknüpft. Das ist gut für die Sportler, aber auch die Unternehmen profitieren davon.

Inwiefern profitieren die Unternehmen?
Leistungssportler sind besondere Menschen und somit auch besondere Mitarbeiter. Sie stehen für Ehrgeiz, Fleiß, Zielstrebigkeit und Disziplin. Aber auch mentale Stärke und Wettbewerbserfahrung. Diese Soft Skills haben in den Personalabteilungen heutzutage einen hohen Stellenwert. Da hat ein Umdenken stattgefunden. Neben der fachlichen Kompetenz sind solche Persönlichkeitsmerkmale gleichermaßen gefragt.

Welche weiteren Ziele verfolgen Sie mit der Sportstiftung NRW?
Ich denke, wir müssen uns künftig stärker denn je auch um diejenigen kümmern, die hinter den Sportlern stehen – die Trainer. Sie machen einen Großteil der rund 150 hauptamtlichen Stellen aus, welche die Sportstiftung NRW finanziert. Aus dem engen und vertrauensvollen Austausch wissen wir, wie schwierig die Situation für viele vor allem finanziell ist. Trainer zu sein, ist eher eine Berufung, weniger ein Beruf. Es wird unsere nächste große Herausforderung, den Trainern gute Rahmenbedingungen zu bieten – natürlich in Absprache mit den anderen Partnerorganisationen des Leistungssports in NRW.

Lassen Sie uns auch über sportliche Ziele sprechen. Mindestens ein Drittel mehr Medaillen forderte Bundesinnenminister Thomas de Maizière im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von Deutschlands Top-Athleten. Würden Sie ein Ziel entgegenhalten, etwa dass mindestens ein Drittel der Sportler des Sommer-Olympiakaders aus NRW kommen sollte?
Erfolg im Sport rein quantitativ zu messen wird den Leistungen der Athleten nur selten gerecht. Wenn nun der Medaillenspiegel als Maßstab herhalten soll, steht er natürlich zunächst für ganz Deutschland. Aber natürlich blicke ich auch ein wenig durch die NRW-Brille und freue mich, wenn ein Athlet aus unserem Land oder sogar aus dem Elite-Team NRW der Sportstiftung NRW eine Medaille holt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person

Ute Schäfer kam am 22. März 1954 in Lage, Kreis Lippe, zur Welt. Die studierte Lehrerin blickt auf eine lange politische Karriere im Land zurück. Seit 2000 ist sie Mitglied des Düsseldorfer Landtags. Von 2002 bis 2005 war sie Ministerin für Schule, Jugend und Kinder im Kabinett des damaligen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück. Unter der aktuellen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft übernahm Schäfer 2010 das eingangs genannte Amt als Sportministerin, das sie bis Ende 2015 ausübte. Am 6. April 2016 wurde sie in der Kuratoriumssitzung der Sportstiftung NRW zur Vorsitzenden des Vorstands gewählt – die Amtszeit beträgt fünf Jahre. Mehr über Ute Schäfer finden Sie auf ihrer Website.